Stian Hole:
Garmans Straße

Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger

München: Hanser 2011

www.hanser.de

ISBN 978-3-446-23787-2
44 Seiten * 14,90 € * ab 06 Jahre

 

 

 

 

Wieder verspielt Stian Hole schon auf der Titelseite das den Beschützerinstinkt hervorrufende «Babyschema» mit dem leicht zu großen Kopf und den großen Knopfaugen. Seine zu großen Köpfe wirken eher wie «nicht normal», sowohl bei dem Jungen mit dem weißblonden Haar als erst recht bei dem älteren Mann mit dem zu kleinen Ober –und viel zu kleinen Unterkörper. Wer jetzt das Buch ins Regal zurückstellt, ist allerdings selbst schuld, denn es entgeht ihm eine schöne Geschichte.

 Gegenseitige Stärkung

Es ist gar nicht Garmans Straße, noch nicht, es ist Roys Straße, Roy, aus der vierten Klasse, Roy «ist der King, der General, das Parlament, Gott, der beste Torschütze», Roy hat letztes Jahr Garmans Turnschuhe oben über die Telefonleitung geworfen, dort «hängen sie bis heute». Roy weiß auch, dass der Briefmarkenmann böse ist und Katzen ertränkt. Und Roy zwingt Garman, das Streichholz anzuzünden, das das trockene hohe Gras um das Haus des Briefmarkenmanns zu entzünden. Knapp entkommt das Haus dem Brand, aber anstatt böse auf Garman zu sein, freunden die beiden sich die beiden Außenseiter an, stellen viele Gemeinsamkeiten fest und werden stark im Rest des Herbstes. Am Ende kann Garman pfeifen, und der alte Postbote freut sich, dass er nicht nur den statistisch 200000 Menschen in seinem Leben begegnet ist, sondern auch dem kleinen Garman.

 

Die Bilder mischen Foto und Malerei, verzerren die Personen und geben ihnen Attribute: Roy erhält eine Ricky Nelson Frisur und sehr ungepflegte schmutzige Fingernägel, Garman trägt ein weißes Unterhemd und um den Hals ein Band mit seinen Hausschlüsseln, Germans Mutter ist nur einmal ganz klein im Hintergrund zu sehen, von den Feuerwehrmännern zeigt nur einer ein Gesicht. Ganz interessant ist der ehemalige Postbote, der noch viele Brief in seinem Keller horten soll, ein Netzunterhemd trägt und am linken Oberarm ein Anker-Tattoo. Aber er kann auch anders sein mit Oberhemd, Krawatte und geknöpfter Weste, allerdings dazu abgetretene und schmutzige Schuhe und auf der Nase einen geklebten Ahornsamen, an dem er allerdings vorbeischielt.

Wer sich auf die Bilder einlässt, wird sie am Ende des Buches lieben gelernt haben – vor allem, weil wir die beiden Außenseiter besser kennengelernt haben und weil der Angeber Roy am Ende nur ein weiterer Radfahrer ist, der sich nicht mehr mit dem freihändigen Fahren brüstet und sich eher klein macht. Recht so!

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en