Claudia Ehgartner & Élise Mougin:
Lilli kleckst

Wien: MUMOK & Residenz 2011

www.residenzverlag.at

ISBN 978-3-7017-2088-0
44 S * 13,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Lilli kennt sich – im Gegensatz zu ihrem Vater – im Museum für Moderne Kunst aus. Aber Papa ist lernwillig, und gemeinsam zeigen sie uns 9 abstrakte Werke vor allem aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Wir dürfen mit Papa zusammen «lernen».

abstrakte Kunst

Ausgangspunkt der Geschichte ist die Renovierung des Wohnzimmers. Während Lilli befragt wird, welches Bild die Eltern aufhängen sollen, macht sich der Kater Merlin über Lillis Mal-Utensilien her und produziert ein herrliches «Sitzbild» mit seinem Körper. Das erinnert Lilli an Yves Kleins Bild «ANT» aus dem Jahr 1960. Ab geht’s mit Papa in das Museum Moderner Kunst Stiftung, das in der Wirklichkeit Herausgeber von «Lilli kleckst» ist.

Die Abbilder der Originalbilder sind eingefügt in die ansonsten eher zurückhaltenden und reduzierten Zeichnungen der Geschichte. Lilli ist offensichtlich ein sehr selbstbewusstes Mädchen, deren Farbe der Kleidung am Oberkörper nahtlos auf Hals, Arm und Kopf übergeht. Die Augenpartie ihres Vaters ist besonders: Frontal sieht man die weiß spiegelnden Gläser der Brille, im Profil ist das eine Auge weiß mit Pupille, das zweite Brillenglas steht deutlich neben dem Kopf. Papa ist wie Lilli gezeichnet, er jedoch ganz in Violett gehalten, Lilli etwas heller in Fast-Rosa.

Nicht zuletzt durch die sympathische Figur der Lilli lassen wir uns ein auf die Welt der Kleckse, der zerschossenen Farbbeutel (Niki de Saint Phalle), auf einfarbige Leinwände oder auf durch dicken Farbauftrag dreidimensionale Bilder. So selbstverständlich wie sich Lilli in dieser Welt der Bilder bewegt, so selbstverständlich nimmt sie nicht nur ihren Vater an die Hand, sondern uns gleich mit.

Ein schönes Buch, das auch Kinderzeichnungen ernst nimmt und Kunst als das definiert, was im Museum hängt. Sagt Lilli.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en