Lorenz Pauli & Kathrin Schärer:
Pippilothek???
Eine Bibliothek wirkt Wunder

Zürich: Atlantis bei Orell Füssli 2011

www.atlantis-verlag.ch

ISBN 978-3-7152-0620-2
32 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Zu plakativ. Wir wissen, dass Bibliotheken viele Welten und Wahrheiten beherbergen, und wir versuchen, unseren Kindern den Weg in die Bibliotheken zu ebnen. Suchen und Finden aber muss das Kind selbst. Hier werden sie durch Maus und Fuchs geschubst. Das ist kontraproduktiv.

Lesen bildet

Tucholsky übertreibt sicher, wenn er meint, dass das Gegenteil von «gut» «gut gemeint» sei, aber er hat im Kern recht. Man kann einer guten Sache auch durch übertriebenes Lob schaden. Im Vorspann, sehr klein gedruckt, erfahren wir, dass das Buch entstanden ist «in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken SAB». Es ist nicht klar, welche Vorgaben gemacht wurden, aber Pauli & Schärer haben schon ganz andere Themen viel «zarter» behandelt.

Immerhin haben wir uns auch erkundigt, dass Füchse gar nicht den Hühnerstall mögen (es sei denn wegen der Eier), sondern sich zu 90 Prozent von Mäusen und Kleintieren, sogar von Aas ernähren, dass also unser Bild stark vom Lied (Fuchs, du hast die Gans gestohlen …) beeinflusst war.

Fuchs will also Maus fangen, Maus flieht über das offene Fenster in die Bibliothek. Die riesige Fuchsnase steht kurz vor der kleinen Maus, der er aber die Chance für viele Wörter gibt, die sich um die Bibliothek drehen, dem «Ort mit vielen Büchern … Ausleihen … lernen … auf andere Ideen zu kommen». Die erste andere Idee des Fuchses ist, die Maus ungeschoren davonkommen zu lassen. Immer mehr wird der Fuchs hineingezogen in die Bibliothek, während die Maus eben dort eine neue Passion fand, das Zaubern.

 

Das Autoren-Illustratorin-Gespann lässt ab und zu aufblitzen, wozu es fähig ist. So hat der Fuchs ein Huhn in der Schnauze, während dieses ihren Bauern erblickt und den Fuchs erpressen will, ihn sofort loszulassen, ansonsten «hast du ausgefuchst» - schreibt Lorenz Pauli. Der Fuchs kann aber sofort kontern, dass der Bauer wohl nicht unbedingt ein Hühnerfreund ist, denn das Buch unter seinem Arm trägt den Titel «1 Huhn – 100 Rezepte» zeichnet Kathrin Schärer (auch wenn nicht ganz klar wird, warum der Fuchs, der noch nicht lesen kann, den Titel erkennt).

Wovon der sehr freundlich gezeichnete Fuchs später satt werden soll, wird nicht problematisiert, ist ja auch nicht Thema des Buches. Er hält jedenfalls am Schluss ein geöffnetes Buch, sitzt unter einer Landkarte, die die Erde symbolisiert, vor einem  schwarzen Himmel mit kleinen Sonnen, umgeben von drei Hühnern. Sehr zum Missfallen des Hahns, der die Situation offensichtlich eifersüchtig verfolgt.

 

Leider zu dick aufgetragen, zu «pädagogisch» - Kinder riechen den Braten und die gute Absicht geht eventuell nach hinten los. Dass Bibliotheken oder Buchhandlungen Orte voller Fantasie und Ausgangspunkt für viele Welten sind, das zeigen viele Bücher. Dieses übertreibt.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en