Adrien Albert:
Elsa und der Bär

Aus dem Französischen von Tobias Scheffel

Frankfurt: Moritz 2011

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-234-9
32 S * 13,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Je einfacher, desto schwieriger. Adrien Alberts Geschichte ist genau so, seine Bilder ebenso. Sie erzählen von Elsas erstem «Tag der Ferien bei der Großmutter». Das kleine Mädchen mit der gelben (Windel-?) Hose und den kleinen Beinen mit den Speckfalten, die kaum die Türklinke erreicht, darf nicht mit den Jungen spielen, nicht mit der Katze – und Oma schläft. Da geht sie an den Fluss und erlebt ein unglaubliches Abenteuer, dass uns der Atem stockt.

Das Leben könnte auch kurz sein

Schon das erste Bild ist wunderbar, fast einheitlich in Braun gehalten, klare Flächen, mit wenigen schwarzen Strichen abgesetzt. Elsa sehen wir von hinten. Sie steht auf ihren Zehenspitzen und erreicht gerade so die Türklinke. Es ist die Tür zum Dachboden, auf dem vierJungen sich eine Art Domino-Umfall-Strecke gebastelt haben, die sie aufstößt und sofort die Dominokette unterbricht. «Verschwinde, Elsa! Du machst alles kaputt!» ruft ihr Bruder. Also macht sich Elsa auf ihren eigenen Erkundungsweg. Der führt sie an den nahe gelegenen Fluss, der allerdings auch andere Lebewesen anlockt. Elsa gerät in Starre, als der Bär durch den Busch bricht, der sie beschnuppert (Habe ich hier einen kleinen Futterhappen?), dann aber doch anderes Futter findet.

Wunderbar, wie dieses kleine Mädchen sich instinktiv richtig benimmt und anschließend kein Aufhebens macht von ihrem Abenteuer. Wunderbar wie diese «gar nicht Farbe» Braun dazu passt. Ganz hervorragend, wie Gefühle der wenigen Lebewesen mit ganz wenigen Strichen und Posen beschrieben werden.

«Je einfacher, desto schwieriger» gilt hier als absolut gelungen. Eine scheinbar einfache Geschichte, scheinbar einfach erzählt und scheinbar einfach bebildert. Aber welche Nachhaltigkeit und welche Identifikation mit diesem kleinen Mädchen passiert mit uns? Durch was auch immer dem Tod entronnen antwortet dieses Kind beim Abendessen auf Omas Frage, ob ihr Tag schön gewesen sei: «Ja, Großmutter, sehr schön.»

Wir wissen mehr. Viel mehr.

 

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en