Hans Christian Andersen & Lisbeth Zwerger:
Märchen

Bargteheide: Minedition 2011

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-140-1
104 S * 19,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die Märchen sind zum großen Teil bekannt, aber sie leben natürlich durch Bilder, die wir uns im Kopf selbst erstellen oder die uns zusammen mit dem Text geboten werden. Lisbeth Zwergers Zeichnungen schaffen eine wunderbare Welt zwischen Realismus und zartem Strich, der den Raum öffnet für die eigene Fantasie. 30 ganzseitige und mehrere kleine Kunstwerke sind vorsichtig aus dem zweiten Buch zu lösen und rahmen zu lassen.

«liebevoll» ist ein schönes Adjektiv

Das Adjektiv «liebevoll» beginnt mit einem eben solch gestalteten Schutzumschlag, führt fort mit dem Rahmen um die Textseiten, die einen kleinen Platz lassen für die Seitenzahlen, der Auswahl des Schrifttyps (offensichtlich – mit Recht – ein besonderes Augenmerk des Verlegers) und erlebt den Höhepunkt mit den Bildern. Die schaffen einen ganz eigenen Raum für die Geschichten, die knapp zweihundert Jahre alt sind und uns immer noch berühren.

Wir, in unserer Welt der Geschichten mit glücklichem Ende, müssen verstehen, dass Märchen auch ganz anders enden können, traurig, ohne weitere Hoffnung, mit Tod. Hans Christian Andersen ist da sehr konsequent. Lisbeth Zwerger wählt 11 Märchen aus, «Die Springer» umfasst nur zwei Textseiten, «Die Nachtigall» neun und «Ole Luköie» sogar zwölf.

Oftmals werden Prinzessinnen als Lohn ausgesetzt, werden selbst gar nicht um ihre Meinung gefragt, werden verkuppelt und wie ein Pokal oder Orden verliehen. Man stelle sich vor, dass ein König sein eigenes Kind allein deshalb anpreist, weil es sonst «zu armselig [wäre], wenn diese Person am höchsten springt». Das allein wäre schon arg genug, dass ein Hüpfauf auch noch in der Interpretation des Königs gewinnt, lässt auf Debilität schließen. Ach ja, wer kennt denn noch einen Hüpfauf? Die Anmerkung des Verlags sagt, dass es/er ein Knöchelchen aus der Gänsebrust sei, das/den man hüpfen lassen kann «wie einen hölzernen Springfrosch».

Fazit: Lisbeth Zwerger benutzt Andersens Märchen, die sich in heutiger Zeit doch einiger Kritik stellen müssen, um ihren wunderbar traumhaften Bildern einen Raum zu geben. Sie sind in ihrer Art einmalig und haben deshalb einen hohen Wiedererkennungswert, detailverliebt sind sie und erwecken doch gleichzeitig den Eindruck der Skizze, greifen wichtige Situationen der Geschichte heraus und geben ihnen ein Bild, das wir mitnehmen mit der Geschichte selbst.
Das Buch mag der Dank sein und Bestätigung an die Verleihung der Hans-Christian-Andersen-Medaille, nachdem sie bereits einzelne Märchen Andersens illustrierte. Danke, dass wir an diesem Dank teilnehmen dürfen.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en