Hans Christian Andersen & José Sanabria:
Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

übersetzt von Werner Thuswaldner
Bargteheide: Minedition 2011
www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-136-4
36 S * 12,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

 

José Sanabria macht in seiner Nacherzählung den Unterschied zwischen Arm und Wohlsituiert noch deutlicher als es Andersen schon erzählte. Die ersten acht Seiten sind ohne Text, und spät erst sehen wir im Hintergrund das Mädchen, das vergeblich versucht, wenigstens eine der 20 Schachteln Schwefelhölzer zu verkaufen. Es ist Weihnachten, ein kalter Wind pfeift und das Mädchen hat nicht einmal Schuhe und keine Kopfbedeckung.

Schwefelhölzer wärmen nicht

Nur kurz kommt das Mädchen als Hauptperson der Geschichte in die Mitte eines Bildes mit warmen Farben, in das sie so gar nicht hinzugehören scheint. Die Gesichter der anderen Personen sind ruhig, man lächelt in sich hinein, denn die Hektik direkt vor Weihnachten ist vorbei. Nun hält die Vorfreude Einzug in die Gesichter. Ganz i das Mädchen. Ihr ernstes Gesicht im gegen den Wind gebeugten Kopf schaut nicht hoch, die Arme sind vor dem Oberkörper verschränkt, die Umhängetasche ist immer noch gefüllt. Niemand hat ihr etwas abgekauft. Was werden ihre Eltern und ihre Geschwister von ihr halten? Wird der Vater schimpfen oder sie schlagen, weil er kein Geld für die Gastwirtschaft hat?

In der kalten, blaugrün gemalten engen Gasse sieht man nur ein warmes Licht hinter einem vergitterten Fenster. Sanabria stellt die bereits bekannte reiche Familie unserem Mädchen gegenüber. Dort die warme Stube mit dem Essen auf dem Tisch, hier das Mädchen mit ihren nackten Füßen auf der Schwelle vor einer Eingangstür. Alte Herbstblätter fliegen durch die Luft, machen dem fallenden Schnee den Platz streitig. Dort werden Weihnachtslieder vor dem warmen Kamin gesungen, hier versucht ein brennendes Streichholz die Hände wenigsten ein bisschen zu wärmen. Der Widerschein erleuchtet ihr Gesicht. Die Augen sind starr auf die Flamme gerichtet. Die Stadt ist inzwischen dunkel und menschenleer, man ist müde und geht spätestens jetzt ins Bett. Nicht so das Mädchen, das sich nach ihrer erst kürzlich gestorbenen Großmutter sehnt.

Und während auf der einen Seite ein Mädchen in ihrem Bett im kalten Zimmer zugedeckt bis an die Nasenspitze mit ihrer Puppe im Arm schläft, auf der Bettdecke ihre Katze, erhebt sich auf der anderen Seite in warmen Brauntönen gehalten eine Seele in den Himmel, getragen von ihrer Großmutter in Form eines Adlers mit großen Schwingen.

Als das Kind am anderen Morgen vor der Stufe gefunden wird, sind Erwachsene wie auch das Parallelkind der Geschichte betroffen, wenigstens für den Augenblick, auch wenn man achtlos auf den langen Schal des toten Mädchens tritt. Das reiche Mädchen nimmt eine der Schachteln Schwefelhölzer mit sich, um es in ihrer Vitrine aufzubewahren, wo schon der Zinnsoldat steht, eine Ballerina, Däumelinchen auf einer Blüte, eine kleine Wasserjungfrau …

 

Der Verlag hat überflüssigerweise einen Pro- wie einen Epilog hinzugesetzt, der uns zum Schauen auffordert. Die Bilder und die Geschichte selbst transportieren diese Aufforderung schon selbst.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en