Michael Frowin & Joëlle Tourlonias:
Mikropolis

Ein Bilderbuch nach der gleichnamigen Kinderoper

Berlin: Jacoby & Stuart 2011

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941787-47-6
40 Seiten * 11,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Eine Stadtgemeinschaft (polis) einiger Kleinwesen (mikro) hat drei Erlebnisse, denen wir beiwohnen dürfen. Zuerst kommt mit der Grille Gesine unerwarteter Besuch vom Lande, dann gibt es Kämpfe mit dem Laubsauger ‚Grizzly 2000’ und letztlich ist Gesine aus den Fängen einer eingeschleppten Gottesanbeterin zu befreien. Dabei wird viel ‚gesungen’, denn das Bilderbuch ist die Folge einer Kinderoper.

Oper als kurzes Bilderbuch mit einigen Liedtexten

Vier männliche und zwei weibliche Kleinwesen bilden den Kern der Geschichte, drei davon haben einen ‚Migrationshintergrund’. Der Marienkäfer hieß als Chinese noch Kung, der Grieche Kostas glaubt fälschlicherweise, eine Eintagsfliege zu sein, Erdal ist Bremse, Rapper und Türke. Dann gibt es noch Olli, den Tausendfüßler, Natalie, die Spinne und Annabelle, eine Ameise. Finn, der Glühwurm, hat (hier?) nur eine kleine Nebenrolle. Keine Tierart ist doppelt, doch das hindert die sieben nicht, sich als Gruppe zu fühlen, vielleicht sogar als Großstadt’gang’ mit Ehrenkodex zum gegenseitigen Helfen.

 

Die Figuren tragen menschliche Züge. Statt großer Augen werden überdimensionale Brillen getragen, die Spinne trägt neben dem freundlichen Gesicht vorn hinten einen riesigen braunen Po in Ballonform, der sich in der Ameise, wenn auch viel kleiner, wiederholt. Auf Kostas T-shirt lesen wir auf Englisch die Aufschrift ‚Lebe schnell, stirb jung’. Im Hintergrund der Bilder sehen wir eine Zigarettenkippe, ein abgebranntes Streichholz, eine 3-D-Brille aus Papier. Die vorherrschenden Grundfarben sind Brauntöne.

Plötzlich und unvermittelt haben die «Asphaltinsekten» Instrumente (Harfe, Banjo, Zupfbass), singen in ein Mikrofon oder tanzen, während sie den Großstadtsong singen – wir lesen allerdings nur den kursiv gedruckten Text.

Das Buch ist zwar auch ohne Kenntnis der gleichnamigen Oper verständlich, aber fünf Lieder ohne Musik sind nicht das, was man unbedingt lesen möchte. Hier fehlt also ein gehöriger Teil des Konzepts.

Das Buch ist sicher eine schöne Erinnerung, wenn man denn die Oper sah und die Musik hörte, und sie wäre bestimmt noch schöner, wenn man die Lieder (z. B. als beigelegte CD oder als mp3-download) auch hören könnte.

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en