Tim Wynne-Jones & Eric Beddows:
Kater Carter fährt zum Nordpol

Aus dem Englischen von Nicola T. Stuart

Berlin: Jacoby & Stuart 2011

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941787-48-3
32 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Das schöne Wortspiel «Kater Carter» funktioniert nur in der Übersetzung (Originaltitel «Zoom away», Wobei Zoom der Name des Katers ist), die Bilder jedoch sind sprachfrei. Und nicht nur das, sie sind akribisch mit Bleistift gezeichnet, jedes ein eigenes kleines Kunstwerk der realistischen Darstellung. Die Geschichte dagegen begibt sich in die Weiten der Fantasie, aber die zu verfolgen macht ebenfalls Freude. Ein schönes Buch zu einer ebensolchen Geschichte.

Traumhaft

Dass es ein Bilder-Buch ist, sieht man auch daran, dass die Bilder auf der rechten Seite des querformatigen Buches gedruckt sind. Die linke Seite ist dem Text vorbehalten, der so groß gedruckt ist, dass Kinder am Ende der ersten, ganz bestimmt aber in der zweiten Klasse ihn selbst erlesen können, auch wenn er in den Satzkonstruktionen nicht ganz einfach ist.

Erzählt wird die Geschichte des Katers, der mitten im Sommer «etwas Warmes» strickt, denn er ahnt, dass bald ein Abenteuer in Richtung Nordpol beginnt. Maria ist die Person, die schon auf ihn wartet. Sie «haben keine Zeit zu verlieren», denn Carters Onkel wollte zum Nordpol segeln, aber seit geraumer Zeit gibt es keine Nachricht von ihm. (Witzigerweise wird hier gesagt, er hätte nicht mehr geschrieben – als gäbe es Poststationen mit Briefkästen in dieser Gegend!) Zum Nordpol geht es über die oberen Stockwerke in Marias Haus, wo es von Stockwerk zu Stockwerk kälter wird. Eis, Schnee, warmer Tee, eine geheime Tür, die in einen Tunnel führt. Ja, wir sind mitten drin in einem merkwürdigen Abenteuer, dessen Held der Kater ist.

«Held» des Buches ist aber gar nicht der Kater Carter, sondern es sind die aufwendig hergestellten Bilder, die vielen kurzen Bleistiftstriche, die mit Strich und Lücke Bilder erschaffen, Kälte und Wärme erzeugen, Spannung und Witz. Herrlich, wie Kater Carter mit Schneebrille aussieht, wunderbar wie ein großer Pilz als Eisberg tituliert wird, kleine Hinweise auf berühmte Bilder (u. a. Casper David Friedrichs Eisschollen, Amundsens Segelschiff im Eis) gegeben werden und sich alles auflöst in ein Bild des späten Sonntag Nachmittag – das erzeugt schon ein befriedigendes Gefühl. Beim dritten oder vierten Vorlesen entdeckt man in den Bildern immer noch etwas Neues. So muss ein Bilderbuch sein.

 

 

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en