Marine Ludin:
Die Geschichte von der hungrigen Boa

Zürich: Bajazzo 2011

www.bajazzoverlag.ch

ISBN 978-3-905871-27-2
28 S * 12,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

 

Neun Märchen und die Geschichte des «Kleinen Prinzen» bilden die Grundlage für eine ausgesprochen lustige Wanderung einer Schlange, die in ihrem Leib so viele Lebewesen einsammelt, dass sie bestimmt 100 Jahre nicht mehr zu essen braucht.

Hut oder Elefant?

Antoine de Saint-Exupérys Erzählung beginnt mit der Zeichnung, die er als Sechsjähriger angefertigt haben will: Eine Boa hat einen großen Hut verschluckt, der aber gar kein Hut ist, sondern ein Elefant. Dieses Anfangsbild benutzt Marine Ludin als ihr Schlussbild und erzählt unterwegs eine Geschichte, wie es so weit kommen konnte. Dabei benutzt die Erzählung einige Märchenwesen und eine Zahlenfolge von zwei bis neun: zwei Kinder (Hänsel und Gretel), drei kleine Schweinchen, vier Bremer Stadtmusikanten usw.

Das Ganze ist sehr humorvoll geschrieben, nichts von «Oh, von einer Schlange gefressen …», sondern eher lieb. Die beiden ängstlichen Kinder, die sich verlaufen haben, werden von ihr ganz fest gedrückt. Der Streit zwischen den drei Schweinchen wird geschlichtet. Weihnachtslieder probt man nicht im Sommer und Lügner müssen nun mal bestraft werden.

Diesen freundlich-witzigen Grundton übernehmen auch die Bilder. Die lange, recht dünne Schlange ist in Rosa gehalten, mit einigen Kreismustern verziert. Zwei riesige gelbe Augen beherrschen den Kopf und schauen neugierig bis hypnotisch. Der fast zahnlose Mund zeigt häufig nach oben gezogene Mundwinkel, es sei denn, dass die Schlange vor Lügner liegt oder sieben Zwerge laut und falsch singen. Da kann man aber auch schon sauer werden!

Während der Geschichte wird die Boa immer dicker, bis sie am Schluss die bereits genannte Hutform erreicht. Da die Zeichnung den Körper aber wie bei einem Sachbuch geöffnet zeigt, sehen wir, wie es im Inneren zugeht: Eine bunt gemischte Gruppe unterhält sich offensichtlich köstlich.

Damit die Kinder etwas von dieser Geschichte haben, sollten wenigstens einige der angedeuteten Märchen bekannt sein. Auf die anderen kann man beim Vorlesen ja hinweisen («… das müssen wir demnächst auch mal lesen …»).

Die Schlange erhält ein gelungenes Gegen-Image zu der Rolle als Verführer, und wir finden es auch gar nicht schlimm, dass sich in ihrem Inneren diverse Menschen und Tiere tummeln, da diese ihre neue Situation prima und lustig finden.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en