Nancy Walker-Guye & Alessandra Micheletti:
Stille Nacht

Aus dem Englischen von Tanja Coletti

Baar: aracari 2011

www.aracari.ch

ISBN 978-3-905945-27-0
28 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Ein Bergdorf. Schneefall verhindert die Weiterfahrt des Zuges, sodass die schwangere Frau mit ihrem Ehemann zu Fuß in den Ort kommt. Gut, dass dem Sohn des Lokführers in der Kirche ein Stern blendet, der ihn veranlasst, die Kirche zu verlassen und die beiden zu treffen. Ohne zu zögern bietet er dem Ehepaar sein Zimmer an und erlebt, dass ein Kind am Heiligen Abend geboren wird.

Euch ist heute ein Kind geboren

Ein Bilderbuchheiligabend: In ein kleines Bergdorf, das wir von oben sehen, fällt immer noch Schnee, dicke Flocken in das weiß-Blau Dörfchen, in dem keine Menschen zu sehen sind, denn die befinden sich alle in der Kirche. Dort sitzt auch der kleine Niculin, der Sohn des Lokomotivführers, den mitten in der Predigt ein Lichtstrahl blendet, ihn aus der Beschaulichkeit heraushebt, sodass er dem Schein nach draußen folgt. Dort hat nämlich ein Ehepaar den im Schnee stecken gebliebenen Zug verlassen, sucht jetzt nach einer Herberge.

Ja, die Geschichte kennen wir, keine Bleibe außer einem Stall für die hochschwangere Frau. Dort ein Stall, hier ein Kinderzimmer, bereitgestellt ohne zuvor die Eltern um Erlaubnis zu fragen. Die Geburt eines gesunden Knaben im Kinderbett von Niculin dämpft auch sofort den Ärger seiner Eltern, die gerade noch wissen wollten, warum er unvermittelt die Kirche verließ. Als sie nun die Situation in ihrem Haus verstehen, sind aller Ärger und alle Sorgen sofort verschwunden. Ein Kind ist geboren.

Wenn man auch noch weiß, dass «Niculin» eine romanische Form von «Nikolaus» ist, so ist hier eine andere Form der Weihnachtsgeschichte fast vollständig versammelt.

 

Die Bilder, die den Großteil der Seiten beanspruchen, sind wunderschön, wenn sie die Ortschaft darstellen und mit dem Rot-Grün-Komplementär-Kontrast arbeiten können. Wenn sie konkret werden, dann werden vor allem die Personen zu Stereotypen mit Zahnplatte und mehr oder weniger dümmlich geöffnetem Mund gezeichnet – der Geschichte hier leider gar nicht adäquat zur Seite gestellt. Da hilft auch kein kleiner Lichterschein auf der Kugel am Bettrand oder Spätzchen / Rotkehlchen, die zusammen mit sieben Erwachsenen und zwei Kindern den Zug verabschieden. Die Menschen auf den Bildern sind leider über das Maß des Themas deutlich zu süß.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en