Beong-gi Bae & Seung-min Oh:
Mias Traumbär

Aus dem Koreanischen von Mirja Maué

Baar: aracari 2011

www.aracari.ch

ISBN 978-3-905945-22-5
36 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

In vielen Staaten ist es verboten, Kinder allein zu Hause zu lassen. Dennoch gibt es viele Situationen, die geduldet werden – aus der Not heraus auch geduldet werden müssen. Wir erleben den Traum von Mia, dass ihr einziges Bilderbuch doch bitte «lebendig» werden soll, scheinbar auch wirklich lebendig wird. Ein riesiger weißer Bär ist von nun an der Beschützer und der Helfer der kleinen Mia.

Flucht in den Traum

Der Ausgangspunkt der Geschichte ist, für viele kaum noch nachvollziehbar, wirklich schrecklich. Wohnung im Keller! Ein kleines Mädchen allein! Die Bilder können kaum schwärzer sein, als sie sich zeigen. Ein helles Fenster mit Gittern davor, eine Katze, die von außen kurz hineinschaut. Dort sitzt Mia, umklammert (wie ein Hund) den nach Mutter riechenden Pullover und schaut sich zum x-ten Mal ihr einziges Bilderbuch an. Ihre Mutter ist bei der Arbeit, von ihrem Vater erfahren wir viel später, dass er das wenige, schwer erarbeitete Geld auf andere Art (… und trinkt viel Wein …) wieder durchbringt. 

Wir erleben mit Mia ihren Traum, dass dieser Bär tatsächlich existent ist, sie beschützt und per Taxi, Zug und Bus sogar dorthin bringt, wo ihre Mutter als Kellnerin den Lebensunterhalt verdient. Es sind dunkle und traurige Bilder, die uns mit den beiden dorthin führen, ein Funken Helligkeit in dem ganzen Schwarz und der Undeutlichkeit der Bilder, die wohl exakt gezeichnet und anschließend bewusst durch Übermalungen undeutlich wurden, herausgekratzt und noch einmal übermalt und wieder verdunkelt.
Und wie viel Wärme dagegen verströmt der Eisbär, von dem wir wissen, dass er ausgesprochen gefährlich ist für Menschen, groß, stark, Einzelgänger vor allem. Dieser aber ist anders. 

Wir hoffen, wünschen, erleben den Traum mit diesem Mädchen. Und die Bilder sind dunkel-farbig im Hintergrund gestaltet und dann mit grobem (schwarzen) Stift überzeichnet. Die Haltung ist wesentlicher als die Farbe, die Zuschauer – selbst der Eisbär – werden zum Statisten, wenn sich das kleine Kind in die Arme der Mutter schmiegt – ach, alles nur ein Traum. Wenigstens für diese Nacht ist die Welt so in Ordnung, wie sie für uns ist. Alles an seinem Platz. Jeder macht seinen Part. Anschließend kommen alle wieder zusammen.

Nein, wir wissen, sehen, dass Mia ein anderes Leben führt, so, wie sie dort liegt: allein, zugedeckt mit dem weinroten Pullover der Mutter, den Kopf hineingelegt in die letzten Seiten ihres einzigen Bilderbuchs. Man könnte heulen, wenn es den helfen würde.

Vielleicht hilft aber auch Dankbarkeit, dass es bei uns anders ist. Zumeist.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en