Silke Vry & Hans Baltzer:
Mit Pinsel und Palette

Große Maler und ihr Werk

Hildesheim: Gerstenberg 2011

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5406-8
160 S * 24,95 € * ab 12 J

 

 

 

 

Der Titel ist ein bisschen irreführend, denn nicht jeder der 20 dargestellten Künstler arbeitete mit Pinsel und Palette, aber einen guten Abriss über 500 Jahre Kunstentwicklung haben wir dennoch.
Eine gute Übersicht, ohne sich allzu sehr in Einzelheiten zu verlieren, gibt Hinweise, worüber man sich – vielleicht – genauer informieren will. Für erste Kunst-Referate in einer sechsten oder siebten Klasse gut geeignet.

Von der Fliege bis zur Suppendose

Jeder der 20 Künstler muss sich über nur ein einziges seiner Bilder zu Beginn seines Kapitels definieren, die anderen (Sepia-/ skizzierten) Zeichnungen fügt Hans Baltzer hinzu. Silke Vry hat versucht, für jede Epoche einen Künstler herauszufiltern, der sich gegen den jeweils derzeitigen Stand der Entwicklung in der Kunst stemmte und damit die Entwicklung nachhaltig vorantrieb, eine neue Epoche einleitete. Das ist nicht leicht, ohne ganz viele andere Beteiligte zu vernachlässigen, aber insgesamt kann man sich mit ihrer Auswahl anfreunden. Auch wenn ihre Sätze mehrmals abrupt enden. Und dann fortgesetzt werden.

Sie geht chronologisch vor, beginnt also bei der Epoche, die wir Renaissance nennen, die sich aber nicht nur mit der Antike beschäftigte, sondern vor allem mit der Perspektive. Ein Versuch also, die Wirklichkeit so abzubilden, als wäre es wirklich möglich, in einer Abbildung eines Bechers die Milch eingießen zu können. Giotto di Bondone ist die Person «mit der Fliege», die er auf dem Bild seines Meisters einfügt und die dieser anschließend versucht zu verscheuchen, damit die noch feuchten Farben seines Bildes nicht verwischt werden.

Von (unbewiesenen) kleinen Geschichten dieser Art leben die Darstellungen, zuerst erzählt, dann als – wenn auch schöne – Legende entlarvt, um den inneren Gehalt dieser Geschichten doch in gewisser Weise als «wahr» zu erkennen.

 

Hans Baltzer versetzt sich in die jeweilige Welt und gliedert den Text ebenso wie einige textliche Einwürfe («… Die ursprünglich unbedeckte Scham von Adam und Eva wurde wahrscheinlich erst 1674 … übermalt … Über 200 Jahre lang nahm niemand Anstoß …»).

Die Auswahl bleibt lange ausschließlich in Europa, beginnt (selbstverständlich) in Italien und weitet sich über Deutschland (Dürer), den Niederlanden und Spanien zu Frankreich aus, um zum Schluss über den Atlantik zu springen: Frida Kahlo und Andy Warhol sind die letzten in dieser Reihe.

Die Auswahl des je einzigen Bildes als DAS Bild des Künstlers ist sehr persönlich gefärbt und hätte auch ganz anders ausfallen können. Aber da sind wir bei der Begrenzung, und eine Person steht dafür gerade. Man kann sich ihr im Ganzen anschließen.

Den Abschluss des Buches bilden zwanzig alphabetisierte Kurz-Biografien der Künstler sowie ein vierseitiges «Kleines Kunst-ABC» und ein Register.

 

Sehr geeignet für Schüler ab dem 6. Schuljahr.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en