Elisabeth Schawerda & Helga Bansch:
Das Geheimnis ist blau

Wien: Wiener Domverlag 2011

www.domverlag.at

ISBN 978-3-85351-228-9
28 S * 14,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Wir haben ein wunderbares lyrisches Bilderbuch, was sowohl auf den Text zutrifft wie auf die Bilder. Zwölf Gedichte über Farben, zwölf entsprechende Antworten in den Bildern. Alles beginnt mit einem weißen Blatt Papier, das von einem «schillernd schönen Gockelhahn im Glück» träumt. Sofort sehen abseits der Bilder die «schillernd schönen» Farben im Sonnenlicht funkeln.

Auch Nichtfarben sind Farben

Das Schreibbild einer alten Schreibmaschine, es fehlte nur noch ab und zu ein durchgeïxtes Wort, ist linksbündig in die Bilder gedruckt. Es gibt viele Reime, aber kein rechtes Schema dazu. Das erhöht den Spannungsgehalt und fordert auf, nicht etwa jambisch «leiernd» vorzulesen, sondern den Inhalt zu betonen und nicht die Silben.

Ganz wunderbar, wie Helga Bansch die Stimmung der Gedichte aufnimmt, die jeweilig Farbe zum stimmigen Hintergrund aufnimmt, dann aber ihre eigenen Träume hinzufügt. Das beginnt mit der Auswahl des Papiers (bedruckt mit chinesischen oder japanische Wörtern oder geographisches Kartenmaterial), das sie übermalt, Flicken einfügt. Der Farbe gemäß zeichnet sie Situationen: Zum Gelb fällt ihr eine Cocktailbar ein, in der Ananas, Birne und Zitrone nicht nur trinken, sondern auch selbst Teil des Getränks sind (aber, leicht versteckt, auch ein kleines gelbes Entenküken). Zum Rot zeichnet sie bienenähnliche Wesen, deren Körper aus Landkarten gestaltet sind, gibt ihnen zerbrechlich wirkende Flügel und riesige Augen mit ganz kleiner Pupille, lässt sie – ungeordnet fliegend – den roten Nektar suchen. Der kleine grüne Frosch ist nicht nur Komplementärfarbe, sondern er betrachtet auch schmunzelnd in seinem kleinen Auto, was diese dummen Insekten denn dort treiben. Sie «holen sich ihr Jausenbrot und tragen es nach Haus»!

Für das erste Lesen und Schauen reicht die Zeit natürlich nicht aus. Viele Teile sowohl des Textes als auch der Bilder werden sich erst nach und nach erschließen. Das ist wie mit guten Musikstücken, in denen man noch beim zwanzigsten Hören Neues entdecken kann. Und humorvoll ist es außerdem. Das zeigt sich nicht zuletzt bereits im Titelbild, denn obwohl der Titel vom Geheimnis spricht und vom Blau, bestimmen Rot und Grün das Bild. Ach ja, es dreht sich ja um ein Geheimnis. Wahrscheinlich schaut deshalb der grüne Frosch mit fast verdrehten Augen nach oben rechts. Hört er da etwas? Etwas Blaues?

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en