Margaret Wild & Freya Blackwood:
Ben & Bommel

Aus dem Englischen von Michael Stehle

Stuttgart: Urachhaus 2011

www.urachhaus.com

ISBN 978-3-8251-7775-1
32 S * 14,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

So zerbrechlich ist das Glück, das wir doch schon für selbstverständlich hielten. Ben braucht sich den Welpen gar nicht auszusuchen, denn Bommel hat ihn ausgewählt. Es beginnt eine sorglose Zeit zu zweit zwischen dem Jungen Ben und seinem Hund, ihr Verhältnis wird durch nichts getrübt. Doch schon nach wenigen Seiten der Schreck: Bommel ist überfahren worden – und Ben fühlt nur noch eine große Leere in sich.

If you’ve never loved, …

18 Seiten lang leiden wir mit Ben, gehen durch ein langes, dunkles Tal und verarbeiten mit ihm den Schmerz, den ihm niemand nehmen kann. Aber Ben findet einen Weg heraus und merkwürdigerweise ist Bommel der einzige, der ihm dabei helfen kann.
Beim Vorlesen stockt schon mal hier und da die Stimme und es darf auch ruhig die eine oder andere Träne verdrückt werden, wobei die der Rührung zum Schluss deutlicher sind, froh darüber, dass das Leben wieder «normal» wird. 

Tolle Bilder sind Freya Blackwood zur stimmigen Geschichte von Margaret Wild gelungen. Sie kritzelt, lässt Hilfslinien stehen, bringt Schwung ins Bild, indem sie Bewegungsstationen stehen lässt. So springt ein kleiner Hund seinen Jungen an, schupst ihn um und schleckt ihm dann durch das Gesicht! So hilft ein Hund seinem Herrchen beim Hausaufgabenmachen, indem er nämlich auf dem Bild ein weg gewehtes Blatt Papier wieder einfängt.

Auf nur einige Flächen der fast «schmutzigen» Bilder legt Blackwood blassblaues Grün und Blau, allein der Pullover des rothaarigen Bens erhält auch kräftigere Rottöne. Die erste Nacht nach Bommels Tod verbringt Ben auf dem Sofa, und wir sehen auf der düsteren Doppelseite kaum Farben, nur drei Inseln: ein Stuhl am Tisch, ein Ball, Bens roter Schopf / die Flickendecke mit den Rot-Gelb-Tönen, mit der der Vater seinen Sohn zugedeckt hat. Der Bruch zwischen den sorglosen Zeiten und dem Beginn der Verarbeitung kann man kaum deutlicher darstellen. Nicht alles ist trist und grau, es bleiben Inseln, Hoffnung.
Auf dem letzten Bild aus der Vogelperspektive sehen wir, dass Ben endlich zum Grab hinten im Garten gegangen ist und dort hockt, während das tägliche Leben auch wieder Einzug hält: die Wäsche hängt auf der Leine, der Rasen wird gemäht. 

Es gibt nur zwei Personen in der Handlung, wobei sich der Vater auch noch zurückhält. Alles dreht sich um den Jungen und seine Verarbeitung des Verlusts.

Uns kann die Geschichte vorbereiten, dass nur der Verlustschmerzen empfindet, der zuvor Liebesglück erfuhr. Wer das eine nicht will, muss auch auf das andere verzichten. Aber wie arm wäre dann das Leben. 

Ein wichtiges Thema wurde wunderbar umgesetzt.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en