Henri Galeron & Edmund Jacoby:
Der Jäger und sein Hund

Berlin: Jacoby & Stuart 2011

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941787-45-2
16 S Hardpappe* 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Man fühlt sich zurückversetzt in die Bilderbücher um 1950, obwohl es damals das ganz ungewöhnliche Format (ca. 45 cm breit und 11 cm hoch) nicht gab. Wir haben es zu tun mit drei Typen: Jäger, Jagdhund, Gejagter, die untereinander die Rollen wechseln. Ein aufrecht gehender Hund mit einem Gewehr schickt schon einen kleinen Schauer über den Rücken. Die (neuen? übersetzten?) Texte zu den Bildern folgen diesem Eindruck und erzählen eine Geschichte, über die es sich lohnt, nachzudenken.

Jäger, Helfer oder Gejagter

Wenn man aufblättert, hat man knapp einen schmalen Meter Buch vor sich. Da muss man selbst auf dem Fußboden liegend für den Text (die Bilder sind nur scheinbar «eins», sie folgen dem Text) die Brille aufsetzen. Es sind Vierverser, die sich allerdings als Zweizeiler tarnen, die Reime finden in je einer Zeile statt, vier insgesamt auf der langen Leiste.

Auch wenn die Landschaft über die ganze Breite dargestellt wird, so spricht der Text in Vierteln und agieren Jäger, Hund und Hase, als wären es vier Seiten. Dabei wechseln auch noch Jäger und Hund mehrfach die Rollen, kriecht der Jäger auf allen Vieren, läuft der Jagdhund auf zwei Beinen, hat die Jagdtasche auf der rechten Seite und das Gewehr im Anschlag – und dann wieder wie zuvor. Der gejagte Hase tritt für einen Moment in den Hintergrund, weil sich Hund und Herr zunächst nicht einigen können. Selbstverständlich behält der Herr die Oberhand, jedenfalls bevor er voll vor den Baum rennt.
Auf einen «Sieger» zu wetten lohnt sich von Anbeginn an nicht, denn wir wissen selbst am Ende nicht, wer denn eigentlich «gewonnen» hat. Wir halten fest: Bei einer Jagd, zumindest bei einer Jagd dieser Art, gibt es keinen «Gewinner» außer vielleicht den Hasen, denn der bleibt am Leben.

Der Humor erschließt sich nicht sofort für die schauenden / lesenden Kinder, obwohl ein Hund auf zwei Beinen mit Jagdtasche, Patronengurt und Gewehr an sich schon komisch ist. Dagegen spricht die entschlossene Ernsthaftigkeit des Gesichtsausdrucks und die kleine Wolke aus dem Lauf des Gewehrs. Auch die Anbiederung des Jagdhunds an die Gruppe der Gejagten ist zunächst nicht komisch. Der Humor kommt durch die Haltung der gejagten Hasen: Sie kümmern sich gar nicht um den Überläufer und spielen stattdessen «Blindekuh» - ausgerechnet so ein Spiel in dieser Situation! 

Dies ist eindeutig kein Plädoyer für die Jagd, denn letztlich sind Jäger wie Jagdhund lächerliche Figuren, ob sie nun ihre Rollen wechseln oder sich gegenseitig bedrohen – die Hasen sind die eigentlichen Sieger, die lieber leben als sich um die Streitereien zu kümmern.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en