Viola Rohner & Dorota Wünsch:
Wie Großvater schwimmen lernte

Wuppertal: Peter Hammer 2011

www.peter-hammer-verlag.de

ISBN 978-3-7795-0353-8
28 S * 13,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Jeder kennt, dass ältere Menschen sagen: «Das wird unser letztes Auto sein. Das wird unser letztes Sofa sein.» Opa sagt auch oft, dass etwas «zum letzten Mal sei»: losfahren, ankommen, Schuhe und Hut kaufen, ein Buch ausleihen, einen Freund begraben. Aber dann übernimmt das Mädchen ohne Namen die Leitung, denn es gibt auch «ein erstes Mal» - und das ist sehr positiv und in die Zukunft gerichtet, auch für Opa.

Letztes oder erstes Mal?

Das querformatige Bilderbuch, das knapp die Hälfte der linken Seite für einen abgesetzten Text reserviert, zeigt zwei sofort wieder erkennbare Personen: ein kleines rothaariges Mädchen mit zwei frechen Zöpfen, die dem Rot des Kleids nicht nachstehen. Großvater hat eine große Nase, einen deutlichen Überbiss, große runde Brille vor kleinen runden Augen mit deutlichen Lachfalten, die im Gegensatz  stehen zu den Sorgenfalten auf der langen Stirn, die nur wenig bedeckt wird mit grauem Haar. Ja, Großvater hat viel erlebt, kennt die Welt, die er den neugierigen Blicken seiner Enkeltochter darbietet.
Der Bahnhof zeigt einen abfahrenden Zug, das Bild vom Zoo zeigt die Trennung von Mensch und Tier. Auf dem Markt will Großvater zeigen, wie man Qualität einkauft, aber das Mädchen ist mehr an dem Hund an der Leine interessiert, dieser wiederum an der Brezel, das ihm gezeigt wird.
So geht es über den Garten und dem Mittagsschlaf auf zu kurzer Couch bzw. zu kurzem Sessel, dem Einkauf der letzten Schuhe und dem letzten Strohhut, der letzten Buchausleihe und dem letzten Begräbnis eines Freundes - - - zum Ersten.

Eine wunderbare Wendung hinein in das Positive gelingt dem kleinen Mädchen, das zunächst aufnahm, was der Großvater zu bieten hat, dann aber die Handlung in die eigene Verantwortung nimmt, neugierig und immer freundlich.

Dorota Wünsch zeichnet deutlich und wiedererkennbar. Auch wenn sie ihre Flächen schwarz umrandet, so füllt sie die Innenräume durchaus nicht gleichförmig, bedrängt unseren Blick auf dem Friedhof und öffnet ihn gleich wieder aus dem Dunklen oben links in das Helle unten rechts, dort wo das Mädchen steht und dem Großvater Mut zuspricht, das Ungeheure zu wagen: zu schwimmen

Niemand ist zu alt zum Lernen, niemand ist so alt, um abzuschließen. Das Leben ist ein Fluss, und jeder macht das, was er machen kann. Und vor allem sind kleine Mädchen besonders stark. Manchmal.

Ach, wenn das Leben wirklich so wäre.

 

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en