Theodor Storm & Tatjana Hauptmann:
Der kleine Häwelmann

Zürich: Diogenes 2011

www.diogenes.ch

ISBN 978-3-257-01152-4
40 S * 16,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Kein süßes Kind zeichnet Tatjana Hauptmann, eher wild und eigensinnig, also ganz so, wie ihn Theodor Storm 1849 für seinen ältesten Sohn Hans erfand. «Mehr, mehr!» Nachdem seine Mutter einschlief und ihn nicht mehr in seinem Bett mit den Rädern hin und her schob, machte er das nun allein. Ein Bein ist der Mast, das Hemdchen das Segel, die Puste der Wind. Und hinaus in die Welt!

Mehr, mehr!

Die Kleidung der Mutter ist die der Biedermeierzeit: Haube, gebauschter Rock mit Rockschößchen, Dreieckstuch am Hals, Schürze und Riemchenschuhe. Vom Vater wird nicht berichtet, die Mutter schläft allein in der Wandkoje in dem Zimmer, in dem auch ihr Sohn mit dem merkwürdigen Namen («häwel» heißt im nordfriesischen Platt wohl «Himmel», «häwelmann» wurde früher aber auch als «Nervensäge» oder «Hampelmann» gebraucht) in seinem rollbaren Gitterbettchen schläft. Bisher gelang es der Mutter offensichtlich im Halbschlaf, ihr Kind mit leichtem Hin- und Herfahren zum Schlafen zu bringen. Nicht so in dieser Geschichte. Ja, der Kleine wird richtig wütend, als all sein Rufen nichts nützt. Mutter schläft tief und fest, da muss er die Sache wohl in die eigenen Hände nehmen.

Der Häwelmann auf dem Bild hat noch wenige, jedoch schon längere hellblonde Haare, die wirr von seinem Kopf abstehen, die bald gerade nach unten fallen werden, denn der Schlafwagen saust die Wand hoch und an der Decke längs, da «es gerade Nacht war und die Erde auf dem Kopf stand …». Von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen muss man sich hier mal verabschieden, die Geschichte wird im Untertitel ja auch als «Märchen» angekündigt. Die Bilder folgen dieser märchenhaften Vorgabe, Mond und Sterne haben Gesichter und haben Gefühle, die Sonne ebenfalls, aber sie ist nicht ängstlich, sondern greift im Gegenteil endlich durch und macht der Reise ein Ende, das für den kleinen Häwelmann vielleicht sogar tödlich ausgegangen wäre, «wenn ich und du nicht gekommen wären».

Die Bilder folgen der Geschichte und fügen nur wenige Details aus der Zeit von Theodor Storm (1817 bis 1888) hinzu. Sie geben den Worten eine Gestalt, wobei die Szene der fast alienhaft wirkenden Sterne, im Gegensatz zu all den anderen Bildern, als nicht ganz gelungen angesehen werden muss. Insgesamt eine schöne Adaption, wobei hervorgehoben werden muss, dass der Text nicht bearbeitet wurde und damit den Charme des frühen 19. Jahrhunderts trägt.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en