David Wiesner:
Art & Max

Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt

Hamburg: Carlsen 2011

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-51763-0
40 S * 16,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

Max behauptet, er könne auch malen wie es Arthur kann. Dieser fertigt gerade ein Porträt an und möchte nicht gestört werden. Der traurige Max dauert ihn dann aber und so gibt Arthur ihm doch Pinsel und Farbe – mit ungeahnten Folgen. Max, Arthur und die Modelle sind übrigens keine Menschen, sondern Leguane und zeigen, dass das nicht stimmt, denn sie sind Zeichnungen. Tolle Idee!

vom Realis- zum Pointilismus

Wir befinden uns im Freien, irgendwo in New Mexico vielleicht. Im Hintergrund erkennen wir eine große Ebene mit einigen Standkakteen hier und dort, im Halbrund umgeben von einer Bergenkette, im Vordergrund sehen wir eine ruhige Gruppe: ein großer Leguan, der Künstler, mit seiner Staffelei, die einen überlebensgroßen Entwurf eines kleinen Leguans zeigt, dessen Original stolz neben der Staffelei steht, direkt daneben ein altes Grammophon. Zwei noch Kleinere beäugen den Fortgang des Porträts, nein, eins schaut zurück, denn von dort kommt ein grüner Leguan auf zwei Beinen in offenbar großem Tempo angelaufen. Das ist Max, nicht zufällig als «grüner junger» Leguan gezeichnet. In seinem Überschwang bringt er die ruhige Szenerie völlig durcheinander.

Aber das ist noch gar nichts von dem Wirrwarr, das Max anschließend anrichtet. Er will und darf tatsächlich malen, aber was macht er? Er bemalt zunächst seinen Mentor Art (wie lat. Kunst), der Wert auf seinen ganzen Namen «Arthur» legt, und er legt damit den Grundstein zur Zerlegung eines Wesens. Da wird zunächst durch die Farbe alle Haut-Strukturen entfernt, das Abblasen der Farbe zusammen mit dem Auflösen durch (getrunkenes) Wasser hinterlässt eine Linienfigur – und die wird aufgeribbelt.

 

Wir erleben in einer aufregenden Geschichte, wie ein Bild aufgebaut wurde, indem wir sehen, wie es rückwärts wieder zerstört wird, um darauf wieder ebenso aufgebaut zu werden. Aber anstatt zum realistischen Bild zurückzukehren, sehen wir am Schluss einen anderen Malstil.

Garniert ist die Abwicklung von Arthur mit Slapsticks von Max und den drei anderen kleinen Leguanen und einem grandiosen Finale.

 

Besonders der rückwärtige Malvorgang ist für Kinder ab 4 Jahre ganz sicher ein ungewöhnlicher Vorgang, der ihnen in dem erneuten Zusammenbau noch einmal deutlich vorgeführt wird. Wenn man diesem Teil gefolgt ist, dann ist umso überraschender, dass das Ergebnis nicht das gleiche ist wie das vom Ausgangspunkt.

 

Wenn man will, kann man anschließend für seine Kinder / Enkel einige noch ganz andere Mal- und Zeichenstile aufzeigen, in der eigenen Bildsammlung oder im Internet finden. Im letzten Bild sind immerhin angedeutet die Popart und die Wilden á la Jackson Pollock. Und – was noch wichtiger ist – wir sehen, wie viel Freude das Malen offensichtlich macht.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en