Nikolaus Heidelbach:
Wenn ich groß bin, werde ich Seehund

Weinheim: Beltz 2011
www.beltz.de
ISBN 978-3-407-79443-7
32 S * 14,95 € * ab 04 J

 

 

 

 

Wer kennt sie nicht, die Sage von den Seehunden, die ihr Fell abstreifen und Mensch sein können, bis sie genug davon haben. Sie leben allein in einem einsamen Haus am Strand, Mama, Papa der Fischer und der kleine Ich-Erzähler, der «schon immer» schwimmen konnte, es nie lernen musste.
Eine merkwürdige Geschichte wunderbar illustriert.

Meer und Land

Eins der Bilder geht über sieben Seiten des querformatigen Buchs, ein riesiger Bild gewordener Traum des Jungen, der die Erzählung seiner Mutter über die Wesen im Meer verarbeitet: «Meerjungfrauen, Krabbenmädchen, echte Neunaugen, Todesquallen, … , Wasserbischöfe, … , Perlbootsmänner» und noch viele andere, sogar «Wale mit ganzen Dörfern auf dem Rücken». Der Junge fragt sich anschließend, woher Mutter das alles weiß, geht sie doch nicht einmal mit den Füßen ins Wasser, aber wir ahnen bald den Grund. Denn als der Junge das Seehundfell entdeckt, dass sein Vater so sorgfältig versteckte, und mit seiner Mutter darüber sprach, … Wir wollen hier nicht alles verraten, aber spannend ist es schon.

Heidelbach zeichnet wieder akribisch und extrem «sauber», aquarellisiert und fantasiert sich eine Fülle von Meeresgestalten, dass es nur so wimmelt. Daneben gibt es wieder minimalisierte Bilder, die vor allem unseren Jungen zeigen. Auf dem Schmutztitel und auf einer dem Text vorangestellten Doppelseite sehen wir ihn, wie er kopfüber und ziemlich gerade fliegt (?), taucht (?), liegt (?) und anschließend in vier Phasen mit einer Makrele (unter Wasser) spielt.

Das einsame Haus hat auf beiden Giebelseiten je einen Außenschornstein wie wir es von bretonischen oder auch irischen Häusern kennen. Ein Schuppen (Außentoilette?) steht noch innerhalb des kleinen Zauns, zwei riesige Walfischrippen kennzeichnen das kleine Tor, das zu einem mit kleinen Knüppeln nur unzureichend gesicherten Weg hinab zum Ufer des stillen Meeres hinweist. Auf der vorletzten Seite wird ein ähnliches Bild noch einmal gezeigt, diesmal aber aus größerer Entfernung, sodass die Mächtigkeit der Natur deutlich wird und die Winzigkeit des menschlichen Hauses. Dieses Mal sind mehrere Wellenberge parallel zur Uferlinie zu sehen und zwei Strandsäume, die auf Ebbe und Flut hindeuten.

 

Die Verknüpfung dieser geheimnisvollen Sage mit den klaren und deutlichen Bildern übt einen großen Reiz aus, der in der Ungewissheit der letzten beiden Sätze mündet: «Wenn ich größer bin, werde ich Seemann. / Oder Seehund.» - auch das eine schöne Neu-Formulierung, wo im Titel doch «groß» steht.

 

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en