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Véronique Massenot & Bruno Pilorget:
Die große Welle

nach einem Bild von Hokusai
Aus dem Französischen von Bernd Weiß

München: Prestel 2011

www.prestel.de

ISBN 978-3-7913-7056-9
32 S * 14,99 € * ab 04 J

 

 

 

 

Zu Beginn ist der Vorsatz leer, am Ende stellt er wie in einem Sachbuch sechs wichtige Fragen und gibt Antworten dazu. Wir haben es zu tun mit einem ausgesprochen bekannten Bild, das drei Boote gegen zwei riesige Wellen zeigt – und doch verweist der Titel auf den Berg im Hintergrund, der zu jeder Jahreszeit einen schnee- / eisbedeckten Vulkankegel zeigt, den berühmten Fudjisan, der früher bei uns auch Fudjijama hieß.

Fudji

Weiß, hell- und tiefes Dunkelblau sind die Farben der Wellen, die scheinbar höher sind als der Berg im Hintergrund, der Fuji, der doch so hoch, dass er ewig eine weiße Kuppe aus Schnee und Eis trägt, obwohl er auf 35°nB liegt, also südlich von Neapel.
Karpfen und Drachen werden eins in dieser Geschichte, in der der Junge Naoki aus dem Meer geboren wird, dem kinderlosen Fischer Taro (und seiner Frau Aki) im «Herbst ihres Lebens» in die Arme. Aber der Kleine wird nicht wachsen, bis er seine wahren Eltern kennenlernen wird, aber das wird nur sehr andeutungsweise erzählt.  

Das Bilderbuch folgt den «36 Ansichten des Berges Fuji», die Hokusai vor rund 250 Jahren schuf. Dabei steht der Berg im Hintergrund, unscheinbar fast und doch immer präsent, während sich im Vordergrund Dramen abspielen. Beim berühmtesten sind es die drei Langboote, die sich mit Ruderkraft gegen die Brandung nach draußen kämpfen auf das Meer, damit der Hunger im Winter ein Ende haben möge.

 

Die Bilder des Buches mit dieser kleinen zauberhaften Geschichte eines Kindes, das aus dem Meer kommt und den beiden Menschen geschenkt wird, folgen den «Ansichten der Fuji», denn er ist auf fast allen Bildern im Hintergrund erkennbar. Im Vordergrund spielt sich die kleine Geschichte von Aki, Taro und Naoki ab. Knorrige Äste, orangefarbene Hütte gegen das Preußischblau des Landes, die Brandung gegen die Langboote der Fischer, der Karpfen (Koï), der zum Drachen wird, einem Glücksbringer.

Die Mischung einer erfundenen Geschichte mit der Verbeugung vor der Kunst des Hokusai aus dem 18. Jahrhundert liefert eine wunderbare Mischung. Der Beginn sind leere Koï-Noboris, Luftsäcke in Form eines Karpfens, das Ende sind eben diese sechs, diesmal gefüllt mit Informationen, damit wir das Buch und seine Geschichte richtig einordnen können.

 

Also ein Bilderbuch für Erwachsene? Ganz sicher: Ja. Aber Kinder lieben es ebenfalls, wenn auch aus anderen Gründen. Das Nachdenken über die eigene Herkunft (bin ich im Krankenhaus vielleicht vertauscht worden?) ist ein direkter Nachkomme der Erkenntnis des «Ich»s, die Feier des Koï-Noboris ist inzwischen auch bei uns bekannt. 

Hier haben wir eine Verbindung von Kunst, Mythologie und Bilderbuch, sehr gelungen für alle Altersstufen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en