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Stewart Ross & Stephen Biesty:
Große Entdecker
Wagemutige Reisen von der Tiefsee bis ins All

Aus dem Englischen von Margot Wilhelmi

Hildesheim: Gerstenberg 2011

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5351-1
92 S * 19,95 € * ab 08 J

 

 

 

 

 

Lob. Ein tolles Thema und eine treffende Auswahl, sehr kindgerecht geschrieben und noch viel liebevoller illustriert und mit einer aufwendigen Technik der gefalteten Karten produziert. Das betrifft sogar den Schutzumschlag, der eine große Landkarte verbirgt, in der alle Routen eingezeichnet sind, die im Buch besprochen sind. Elf Herzschläge der Entschleierung der Erde durch den Menschen dürfen wir nach-erleben.

Entschleiern

Biesty kann es einfach. Er öffnet Schiffe, Räume, eine ganze Karawanserei, Raum- und Kletteranzüge, damit wir nicht nur hineinschauen, sondern auch die Leistung bewerten können. Elf Momente der Menschengeschichte werden angehalten und in Zeitlupe dokumentiert, damit wir die Leistung nicht nur anerkennen, sondern sie zunächst einmal überhaupt erkennen können. Toll gemacht und gut ausgewählt.

 

Die Menschheitsgeschichte ist im Vergleich zur Erdgeschichte vernachlässigbar klein. Und dann haben wir uns außerdem noch viel Zeit gelassen, bis die Erdkarte keine (oder nur noch wenige) weiße Flecken mehr zeigte. Das Buch beginnt 300 Jahre vor unserer Zeitrechnung, springt dann in die Mitte des Mittelalters und macht einen Ausflug von Europa, dem Ort unserer Sichtweise, nach China und dann in die Umbruchzeit in die Neuzeit. Es endet mit Apollo 11 und der ersten Landung auf dem Mond.

Natürlich kann man fragen, warum Livingston es in das Buch geschafft hat, nicht aber Scott, warum Mary Kingsley und nicht Thor Heyerdahl, warum Marco Polo (immerhin inzwischen nicht unumstritten) und nicht Vasco da Gama, aber damit rennt man offene Türen ein. Das Buch öffnet an wenigen Beispielen, warum es Menschen gibt, die eine Vision unter abenteuerlichen Bedingungen zur Realität bringen wollen, oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens.

Dazu liefert der in zwei Spalten gedruckte Text, dessen Hintergrund an «Elefantenpapier», an alte Urkunden erinnert, genug Informationen, dass ihn neugierige achtjährige Kinder bereits verstehen können, auch wenn man ihnen beim Lesen ein bisschen helfen sollte.

 

Grund dafür ist die Verlockung der Illustrationen. Biesty ist bekannt dafür, dass er sehr komplexe Objekte sehr detailliert und zugleich übersichtlich darstellen kann. Dabei hilft ihm der Trick der Öffnung. Die Schiffe schneidet er in Teile und schiebt sie auseinander, damit man in die Räume hineinschauen kann. Häuser öffnet er, indem er einzelne Decken emporhebt, selbst die Last der Kamele hebt er leicht an, notiert «Seidenballen, Packsattel, Wasserflasche, Datteln, Mehl, Nasenring, …». Damit sind wir mittendrin in der Zeit und in dem Ort.

 

Zu jedem Kapitel kommt aber noch etwas hinzu, was die Neugier fördert: Ein zwei oder dreifach gefaltetes Papier, das sich dann auch noch nach oben verdoppelt, gibt dem Text ein Gesicht und wird dazu führen, dass sich die geschilderten «großen Entdeckungen» einprägen werden.

 

Was vielleicht fehlt, ist ein Hinweis auf das, was vielen Entdeckungen folgte: Conquistadores, Kolonialismus, Abhängigkeit und Unterdrückung. Das trifft natürlich nicht Auguste & Jacques Piccard, Edmund Hillary oder Neil Armstrong.

 

Fazit: Lob.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en