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Anja Tuckermann & Daniela Chudzinski:
Die Möwe und ein Meer von Farben

Stuttgart: Thienemann 2011

www.thienemann.de

ISBN 978-3-522-43690-8
20 S * 12,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Die Möwe weiß, wie sie die beiden in Konkurrenz bringen kann, das Meer und den Himmel, damit ihr ein Schauspiel von enormer Farbenkraft geboten wird. Wunderbare Kämpfe des Blaus gegen das Blau fordert das ungereimte Gedicht – und genau darum dreht es sich. Eine Herausforderung für die Illustratorin, der das allerdings hervorragend gelingt. Sehr geeignet für Menschen, die an der Küste wohnen oder zu Besuch sind.

Blau ist nicht gleich Blau

Links eine gehende Möwe, aufrecht freundlich. Darüber ein dreizeiliger Text, der mit einer Linie beendet wird, die hinüber läuft auf die andere Seite des querformatigen Buchs, ein Horizont, der später Meer vom Himmel trennen wird. Von rechts drängt Blau in das Bild, Kleckse, mit viel Wasser aufgetragene Blaugrüntöne, zum Teil mit grobem Pinsel und deutlicher Struktur übermalt. Das strahlt Kraft aus, wilde, unzähmbare Urgewalt. Ganz anders die Möwe vor dem Weiß, ihr Schatten gibt ihr Halt auf dem weißen Nichts. Das ist Unschuld und scheint auch Naivität auszustrahlen. Ja, warum fürchtet sich denn der Vogel nicht vor dem heranstürmenden Blau? Stattdessen sagt sie: «Ich will nur da sein / wo es blauer ist», eine Steigerung von blau, die zumindest sehr ungewöhnlich ist.

Wenn wir dann umblättern, ist aus der Linie tatsächlich ein durch die Wellen bewegter Horizont geworden, über dem sich ein diffuser Himmel erhebt und nur ca. ein Drittel der Blatthöhe erhält. Der Rest ist den in verschiedene Richtungen sich überschlagenen Wellen des Meeres vorbehalten, über denen die Möwe mit weiten Schwingen schwebt, die orangefarbenen Beine unter den gespreizten Schwanzfedern eng aneinander gelegt und drei kleine Kopffedern keck aufgestellt. Die Möwe schaut zum Meer, das sie von der blauen Qualität und der Wichtigkeit des Meeres zu überzeugen versucht.

Wie die beiden beginnen zu kämpfen und dabei ein unglaubliches Schauspiel verursachen, muss man selbst schauen. Und wer hat das alles ausgelöst mit einer kleinen unschuldigen Frage und das Ringen und Tosen genauso genossen wie wir?

 

Ein sehr geschmacksbildendes Buch, das aufzeigt, wie vielfältig so ein Farbbegriff sein kann, und eine kleine sympathische Identifikationsfigur haben wir auch noch. Mehr davon!

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en