Nicholas Oldland:
Trau dich, du Elch

Aus dem Englischen von Nicola T. Stuart

Berlin: Jacoby & Stuart 2011

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941787-31-5
32 S * 11,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Etwas fehlt dem kleinen Schisser namens Elch. Kurz entschlossen besteigt er das Segelboot, das ihn in den Sturm bringt, auf die einsame Insel, wo er seinen Mann stehen muss: Süßwasser finden, Signalfeuer vorbereiten, Hütte bauen usw. – und er «lernte eine Schildkröte namens Dienstag kennen». Seine Freunde daheim (Biber und Bär) können es nicht fassen, dass Elch plötzlich auch «Klippenspringen» will.

Robinson

Wie ausgeschnitten und aufgeklebt sind die Bilder, für den Elch leicht korrigiert und nuanciert mit schwarzen Linien auf der braunen Fläche, ergänzt mit schwarzem Geweih und ebensolchen Hufen. Die wenigen Nadelbäume der Taiga sind mehrfach dupliziert und mit je leicht anderen Farben gedruckt, wir sehen eine unwirkliche Welt, in der es sowieso nur drei Personen gibt: Elch, Bär, Biber. Später kommt die Schildkröte namens Dienstag (wie Freitag bei Robinson Crusoe) hinzu.
Das Abenteuer des Elches können wir gut nachvollziehen. Ja, so muss es einfach gehen, wenn man nicht für den Rest seines Lebens ein Verlierer sein will. Man muss es einfach wagen. Probieren. Der Rest wird sich finden. 

Das ist eine schöne Botschaft für all die, die verzweifeln mögen, weil das Leben für sie nicht so ist, wie sie sich das denken. Wir verstehen zwar nicht, warum sich der Elch aufmachte, sich selbst zu finden, aber wir verstehen, dass wir uns selbst auch aufmachen müssen. Dass Gefahren drohen, die uns auch verschlingen können, das zeigt das Buch ebenfalls, aber es macht Mut, es dennoch zu versuchen. Besser im Versuch zu scheitern, als es gar nicht erst zu versuchen.  

Den gestärkten Elch sehen wir auf dem letzten Bild: Auf vier «Fotos» sehen wir einen furchtlosen Elch, der nun alles kann, vor dem er sich zuvor fürchtete. Dass er zuvor auch noch erkannte, dass er tatsächlich Freunde hat, die sich um ihn sorgen, müssen wir für uns nun auch feststellen.

Das wunderbare Bild mit dem abfahrenden Luxusliner links aus dem Bild hinaus und den sich umarmenden drei Freunden auf der rechten Seite macht richtig warm ums Herz. Wenn man dort genau schaut, dann blickt nur der Bär dem Schiff hinterher, der Elch könnte es ebenso machen, aber er hält die Augen geschlossen. Der viel kleinere Biber mit dem langen Schwanz schaut sowieso nur in Richtung seiner beiden Freunde.

 

Und? Was «lernt» uns das? Auch wenn du ein Elch bist mit furchtbar unpassend breitem Geweih und furchtbar viel Angst, kannst du es schaffen. Was schaffen? Das musst du selbst erkunden!
Insofern trifft der übersetzte Titel diesen Kern, indem ein «Du» eingesetzt wird, das wir zunächst sprachlich ungewöhnlich fanden, weil wir zuerst nur «Trau dich, Elch» lasen. Das «du» spricht uns allerdings selbst an, und das ist gut, denn es macht uns Mut, dir und mir.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en