Matze Doebele:
Pauls Glück

Berlin: Jacoby & Stuart 2011

www.jacobystuart.de

ISBN 978-3-941787-29-2
36 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Paul ist ein Rabe mit sehr verkürzten Flügeln. Das ist nicht nur ärgerlich, es ist existenziell. Ein Rabe braucht anständig große Flügel, damit sein schwerer Körper dennoch durch die Lüfte schweben kann. «Nesthocker» ist noch das geringste Wort, das ihn tief trifft, «Pinguin» findet er viel schlimmer. Aber dann entschließt er sich, dem Schimpfnamen Ehre zu machen. Der Zoo ist nicht weit, und der Kater ohne Namen hilft ihm.

If you can’t be with the one you love, love the ones you’re with [CSN&Y]

Das kleinformatige Buch schafft dennoch große Bilder. Text und Bild nehmen sich nichts, wechseln den Ort von links nach rechts, doppelseitig und wieder zurück. Der Hintergrund («Elefantenpapier») geht über beide Seiten, auf dem auch der Text mit ausschließlich Großbuchstaben gedruckt ist. Die Bilder nehmen wunderbar die Stimmung auf: ein Rabe mit viel zu kurzen Flügeln schaut seinen Geschwistern zu, die ihre Runden über ihm drehen. Man kann ihm nicht absprechen, dass er ein bisschen lächerlich ausschaut mit seinen extrem kurzen Flügelärmchen, aber unser Mitleid überwiegt natürlich.

Wenn der Text dann davon spricht, dass unser Rabe sein Leben in die eigenen Hände nehmen will, nicht mehr im Nest warten auf was auch immer, und nun den Mast an der «rostigen Krampenleiter am Schornstein hinab» klettert, dann sind unsere Sympathien spätestens jetzt auf seiner Seite. Dass er auch noch als Pinguin besteht – dass ist unserem Daumendrücken zu verdanken.

 

Matze Doebele schreibt die Geschichte und bebildert sie zugleich. Der Ausgangspunkt ist erher ungünstig, aber er macht eine doppelte Geschichte daraus, denn die Bilder sprechen zwar einerseits mit dem Text, aber sie «erzählen» auch eine zweite Geschichte nebenbei. Wie besser kann man die Einsamkeit des Raben auf seinem Nest zeigen, während seine Brüder in der Luft schweben. Wie tief und drohend muss eine Straße für einen Raben sein, der «zu Fuß» unterwegs ist, den alle Fressfeinde also mit Leichtigkeit erlegen können.

Hier nun wird philosophisch argumentiert, denn der, der selbst aktiv wird, der sich traut, der muss unterstützt werden. So also findet unser Rabe im Kater auch noch einen Unterstützer. So einen wünschen wir uns auch, aber wir werden ihn wohl erst erhalten, wenn wir uns selbst - unabhängig der Konsequenzen (wie u n s e r Titelheld) – für unsere eigenen Ziele einsetzen. Eine schöne Botschaft, die ganz große Unterstützung von den Bilder erhält, die zudem verschiedene Techniken aufzeigen.

 

Den einzigen negativen Anmerkungspunkt müssen wir der geringen Größe des Buches anlasten. Es hätte wahrhaftig ein größeres Format verdient.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en