Kitty Crowther:
Der Besuch vom kleinen Tod

Aus dem Französischen von Maja von Vogel
Hamburg: Carlsen 2011

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-51758-6
28 S * 12,90 € * ab 03 J

 

 

 

 

Der kleine Tod ist eine «reizende kleine Person», aber seinen Anblick mögen die Menschen nun einmal nicht, und geredet wird auch nicht, wenn der kleine Tod die Menschen abholt. Aber mit Elisewin wird alles anders, und das ist gut so. Ein wichtiges Buch, das trotz des Themas leicht daher kommt und sogar an einigen Stellen witzig sein darf.

So ist das nun mal

Die Menschen sind voller Angst, sie weinen und frieren, wenn sich der kleine Tod leise und etwas schüchtern nähert. «So ist das nun mal» denkt er sich, wenn er sie schweigsam ins Reich der Toten begleitet, mit dem Kahn hinüberfährt. Die Angst kann er ihnen nicht nehmen, eine Beziehung aufbauen kann er auch nicht, denn die Toten müssen ihn und seinen riesigen Palast bald wieder verlassen, «aufbrechen, in ein anderes Leben.»
Alles wird anders, als der kleine Tod Elisewin abholt, denn ganz anders als alle anderen zuvor begrüßt sie ihn freudig, redet mit ihm, spielt mit ihm und kommt tatsächlich später in ihrem «neuen Leben» wieder zu ihm zurück! 

Das Titelbild lässt bereits erahnen, dass es nicht eine todtraurige Geschichte ist. Ein Mädchen in weißem Kleid und einem roten Randstreifen zieht eine etwa gleichgroße Gestalt hinter sich her. Unter dem schwarzen Umhang mit der Kapuze, die mit einem Streifen auch die Nase überdeckt, schaut ein weißes Gesicht heraus. Die ausgestreckte Hand, die eine aufrechte Sense trägt, ist die eines Skeletts. Die beiden streben vor einem lichten Zaun, der einen Park umschließt, zielbewusst nach rechts: Nun klappe das Buch schon auf! scheinen sie anzuzeigen. Wir machen es – und müssen ungewollt schmunzeln, denn auf dem Buchvorsatz spielen der Tod und Elisewin, die zum größten Teil aus dem Bild herausragt, Federball in einem nicht ausgestaltetem Raum. Lediglich ein Kronleuchter ragt von oben ins Bild hinein.
Im Buchnachsatz sehen wir wieder die beiden. Der Raum ist nur durch eine horizontale Linie angedeutet. Die beiden sitzen auf dem Fußboden und schauen gemeinsam in ein großes Buch. Beide lächeln. 

In der Tat kann diese Geschichte die Angst vor dem Tod nehmen. Wir sehen an dem Mädchen, dass man ihn sogar in diesem Alter herbeisehnen kann, damit endlich die Schmerzen aufhören. Und wenn man dann auch noch weiß oder wenigstens ahnt, dass es da drüben «ein anderes Leben» gibt, dann kann man schon mal mit ihm leben, dem Tod, der hier sogar selbst noch ein Kind ist.

Das Buch ist nicht unbedingt ein Sterbebegleiter, aber es kann gesunden Kindern schon frühzeitig helfen, den Tod nicht nur zu akzeptieren, vor allem nicht zu verdrängen.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en