In-seon Chae & Seung-ha Rew:
Zwölf und der Wolf

Aus dem Koreanischen von Sunhee Kang-Schostok

Baar: Aracari 2011

www.aracari.ch

ISBN 978-3-905945-13-3
32 S * 14,90 € * ab 04 J

 

 

 

 

12 ist eine schöne Zahl, denn die kann man auf viele Arten in Produkte zerlegen. Das nutzt Mutter Ente, die wegen der großen Zahl der Küken schon mal die Übersicht verliert und ihre Kinder deshalb in Riegen einteilt: erst 6 Zweier, dann 4 Dreier, 3 Vierer, 2 Sechser. Als der Wolf auftaucht, merkt auch Mama Ente: 12 sind ganz schön pfiffig, und sie lässt doch wieder 12 Einer zu.

12 Küken, jedes anders, alle gemeinsam

Den Eizahn sieht man zwar nicht, dafür aber sind alle Küken nach dem Schlüpfen je gleich anders, Individuen also, denen schon kleine Charaktereigenschaften ins Gesicht geschrieben scheinen: das Missmutige, das Neugierige, das etwas Langsame, das Gutmütige. Dennoch sind sie alle Geschwister mit der entsprechenden Liebe und Akzeptanz. Sie führen bereitwillig aus, was Mutter Ente möchte: Sie geben sich nur noch als Paare aus, als Drilling, als Vierlinge, ja sogar als Sechsling. Alle unterschiedlichen Charaktere stellen sich selbst hintenan, wenn Mutter sie auf Watschelrunde, zum Planschen, zur Futtersuche und auf Entdeckungsreise schickt, zum gemeinsamen Mittagsschlaf sowieso.  

Die Wiederholungen der Neueinteilung und des je gleichen Tagesablaufs kommen den zuhörenden Kindern entgegen, bald schon sprechen sie mit, und zugleich haben sie an den zwölf Entenküken immer genug Neues zu sehen, dass die Geschichte nicht langweilig wird. Spannend wird sie auch noch, denn als die Kleinen in Dreiergruppen ihre Schwimmübungen machen, sieht man den Wolf schon mal hinten neugierig auf seiner Futtersuche. 

Seoung-ha Rew setzt die Bilder aus deutlichen Teilen zusammen – ohne dass sie als Collage wirken. Die Einzelobjekte sind ungleich schwarz umrandet und knapp daneben ausgeschnitten, leicht ungenau, aber offensichtlich gewollt. Dann werden sie gruppiert und als Bild abgespeichert. Wenn Mutter ihre Kinder neu gruppiert, haben wir keinen Hintergrund, die Riegen stehen auf einem schmalen Schattenstreifen, fast so als wären sie Zinnfiguren. Auf den anderen Bildern sind Landschaften und Räume hinter geschoben und die Enten darauf gesetzt, sodass Schilf, Gras, Wald, Wasser oder Scheune einen Hintergrund mit Horizont bilden, ohne dass der Himmel gestaltet wird. Er bleibt Weiß oder auch schrill Gelb, wenn nämlich der Wolf leichte Beute zu finden meint.

 

Ein schönes Bilderbuch mit einer schönen Solidaritäts-Botschaft dieser deutlichen Individuen. Da können sich die Menschen mal eine Scheibe von abschneiden.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en