Thad Krasnesky & David Parkins:
Ich mach, was ich will – ich bin doch noch klein!

Aus dem Englischen von Constanze Breckoff

Oldenburg: Lappan 2011

www.lappan.de

ISBN 978-3-8303-1167-6
32 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Erziehung kann so einfach sein, am besten mit dem Satz: «Nimm Rücksicht! Das Kind ist doch noch so klein!» Das übernimmt das Kind sehr gern und deutet den Satz schnell um: «Nehmt Rücksicht auf mich! Ich bin noch ganz klein!» Das geht eine ganze Weile gut, aber dann übertreibt Lara. – Eine Geschichte, die auch und besonders Dreijährige gut verstehen.

Um den Finger wickeln

Uneinigkeit in der Erziehung wird gnadenlos ausgenutzt von den Kindern. Hier ist es die Mutter, die Lara in Schutz nimmt, obwohl diese den Orangensaft über Papas neue Hose schüttet. Gut, das kann jedem passieren, aber wir sehen schon am Bild, dass Lara sehr gut weiß, hinter wem sie sich verstecken kann.
Auch die Aufforderung an die älteren Geschwister, dass sie mehr Rücksicht nehmen müssen auf die kleine Lara, kommt nicht immer richtig an. Lara weiß auch sehr gut, ihre Mutter auf ihre Seite zu ziehen mit «Maaama! Tom ist gemein zu mir!». Dabei war sie es, die rücksichtslos über Toms Eisenbahnbrücke stolperte und die Gleise verschob. Noch schlimmer kommt es mit Susi, denn Lara holt sich Sachen aus Susis Zimmer und verarbeitet diese für ihr Puppenhaus. Anschließend ist nicht nur das Skatboard voller Klebstoff.
Die Sache mit dem Piratenschatz hebt den drohenden Konflikt auf eine noch höhere Ebene, das Wasser aus der Wanne bringt buchstäblich das Fass zum Überlaufen. 

Sehr fein beobachtet ist das Verhalten der kleinen Lara, die mit riesigem Mund und hochrotem Kopf schreien kann, um anschließend gleich den kleinen Unschuldsengel zu spielen und auf Zehenspitzen zu neuen Untaten zu schreiten. Die wilde Haarfrisur und die riesigen abstehenden Ohren, der leicht nach innen geneigte Fuß beim Gehen und die Neugier, was wohl mit ihren Geschwistern geschieht – all das macht sie einerseits sympathisch, zeigt aber auch, was für ein «Satansbraten» sie sein kann. 

Mama und Papa wird hier der Spiegel vorgehalten, sie erkennen selbstverständlich, dass es in der Tat nicht immer richtig ist, der Kleinen Recht zu geben, wollen sich aber auch nicht dem Stress und dem Geheul aussetzen. Aber manchmal nützt es eben nichts. Die älteren Geschwister, die dieses Buch in die Hände bekommen, werden ihren Eltern sagen: «Seht ihr, so ist das nämlich meistens!». Und die kleinen Laras, denen das Buch vorgelesen wird und die sich die Bilder anschauen?
Vielleicht werden sie unschuldig gucken, vielleicht auch behaupten, bei ihr sei das alles ganz anders und sie hat ja gar keinen älteren Bruder … Im Stillen aber wird sie sich für bestimmte Situationen entlarvt fühlen und – vielleicht – sich ein bisschen weniger «frech» benehmen. Das tut allen gut.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en