Antonie Schneider & Isabel Pin:
Kartoffeln in Pantoffeln

Berlin: Aufbau 2011

www.aufbau-verlag.de

ISBN 978-3-351-04134-2
32 S * 16,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Von der Artischocke bis zur Zwiebel werden vierzehn Gemüsesorten bedichtet, mit stets wechselnden Reimarten bedacht und inhaltlich eher absurd als klassisch erfunden. Die Illustrationen nehmen die Wörter ebenso auf, sodass es heißen muss: Es gibt zwei Quellen des Vergnügens, die sich die Bälle gegenseitig zuschieben.

Sprach- & Bildspaß

Der Text wird als Grafik gesetzt, gerundet, in Wellen gedruckt, zentriert, eingerückt. Als Anführungszeichen werden Chevrons (»…«), also „Gänsefüßchen“ verwendet, das jeweilige Gemüse als Überschrift je abgesetzt: Der Spinat, Die Zucchini, Der Sellerie usw. Gewürzt wird der Text mit Unbekanntem: Bernini, Bambini, Kizartma (türkisch, eigentlich nur: Gebratenes), Domates, mit Binnenreimen, mit anderen, die nicht immer rein sein müssen. Beim Versmaß dagegen wird Wert gelegt, dass nichts holpert oder stockt, ohne dass ein spontaner Wechsel vermieden wird.
Dem Inhalt gemäß leben die Texte zwischen Chaos und Absurdität, wobei für diesen Satz das Wort «leben» betont werden muss.

Das machen auch die Bilder von Isabel Pin. Das scheinbar sinnlos zerschnittene Radieschen erweist sich beim dritten Blick als weißer Bikini über Rot mit grünem Kopf. Samarkant wird mit einer Mischung aus Pisaturm und dem von Babylon als exotisch dargestellt. Aus gerissenen, halb durchsichtigen Papieren wird Rosenkohl, aus denen schwarze Vögel mit gelbem Schnabel neugierig schauen, was die bereits sehr angenagte Möhre wohl weiterhin tun wird. Und zum Titel, zur Kartoffel, fallen ihr vier unterschiedliche Europäer ein, die sie mit wenigen Accessoires ausstattet, Kopfbedeckungen, Bärten, Zigarette, Brille. Sie benutzt unsere Sehgewohnheiten von Positiv-Negativ und vermeidet vor allem die «realistische» Darstellung. Das wäre auch den Texten gar nicht angepasst.

Beide, Text und Bild, wollen wohl wirklich nur eins: Spielen. Und das machen sie wirklich gut. Wenn’s besonders gut kommt, dann wollen wir das auch, wir Erwachsenen, aber vor allem wir Kinder.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en