Ernst Jandl & Norman Junge:
immer höher

Berlin: Tulipan 2011

www.tulipan-verlag.de

ISBN 978-3-939944-61-4
28 S * 14,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Jandl fügt einen Satz hinter den anderen und setzt die vorangegangenen jeweils davor, durchbricht den jeweiligen Zustand aber immer durch einen Satz der Aktion. Die Dinge bewegen sich, eins steigt auf das andere. Norman Junge erhält die rechte Seite des Querformats für seine Bilder mit den lebendigen Dingen. So erhält Un-Sinn doch einen.

 

Die Dinge leben

 

Mann, Sessel, Tisch, Haus, Berg, Mond – mehr braucht Ernst Jandl nicht, um sein kleines Universum zu öffnen. «Der Mann steigt …», dann «steht» er auf dem Sessel. Schon der Ausgang ist skurril. Wir fragen uns, was ihn treibt, diesen Mann, dass er auf einen Sessel steigt, Norman Junge zeichnet ihn als Ohrensessel und der Mann mit der Aktentasche und dem lachhaften Hut erklimmt die Rückenlehne. Dann steht er da, weiß offensichtlich auch nicht, was er da tat. Steht einfach auf der Lehne, viel zu klein, als dass ihm dieser Sessel vielleicht gehörte, schon gar nicht die spießigen Pantoffel im Vordergrund, steht also auf dem Sessel, der wiederum am Rande der Erde zu stehen scheint, brauner Mann in braunem Anzug auf braunem Sessel, der in brauner Wüste mit wenigen kleinen Steinen steht mit klarem kurzen Horizont vor einem blassblauen Himmel, der durch weiche dunkle Striche eine Wolkenstruktur erhielt.

Wenn der Sessel den Tisch besteigt, ändern sich dramatisch die Farben in Grünblau bis Schwarz, werden die kurzen Beine des Sessels lebendig wie ein sich aufbäumendes Pferd, steht das Möbelstück für einen Moment auf einem Hinterbein um dann, in Ruhe, wieder die ruhige braune Farbe anzunehmen, so, als wäre nichts geschehen.

Wir ahnen es, direkt danach wechselt wieder die Farbe und in der Folge immer dann, wenn gehandelt wird in das dramatische Blaugrün mit Schwarz, immer dann, wenn geruht wird in das freundliche, stille Braun.

Allein das letzte Bild verträgt beide Farbspiele, wenn nämlich der Mond auf der Nacht steht. Wohlgemerkt «auf» Nacht, so, als wäre diese ein Boden, auf dem der Himmelskörper stehen könnte mit seinem Berg, auf dem ein Turm steht mit seinem Haus, auf dem ein Tisch steht mit einem Sessel auf seiner Platte, auf seiner Lehne ein kleiner Mann. Wir können ihn nur sehr klein und unscharf erkennen, weil wir wissen, dass er dort steht.

 

Norman Junge scheint sich vorgenommen zu haben, dass die zumeist lautmalenden Gedichte von Ernst Jandl für Kinder und vorlesende Erwachsene in Erinnerung bleiben. Das ist nicht nur ein lobenswertes Unterfangen, es gelingt sogar und macht Freude in Bezug auf den Text wie auf die Bilder.

 

Es gibt noch viele Gedichte von Jandl. Freuen wir uns also auf weitere Bücher Jandl / Junge.

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en