Nadine Brun-Cosme & Olivier Tallec:
Großer Wolf & kleiner Wolf – Vom Glück, zu zweit zu sein

Aus dem Französischen von Bernadette Ott

Hildesheim: Gerstenberg 2011

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5378-8
32 S * 12,95 € * ab 03 J

 

 

 

 

Vorher wusste es weder der große Wolf noch der kleine, dass sie etwas vermissten. Nachdem nun aber dies Gefühl der Gemeinsamkeit sich einnistete bei beiden, wird ihnen das Fehlen des anderen schmerzlich bewusst. Ein sehr schönes Schlussbild zeigt, wie sehr die beiden einander mögen und vertrauen.

Unglück erkennt man erst, nachdem das Glück da war

Wie beiläufig hält der große schwarze Wolf auf dem Titelbild dem kleinen blauen Wolf einen Apfel hin. Während er selbst geradeaus starrt, hat der kleine seine Augen auf den Apfel geheftet. Aber seine Arme haben noch nicht zugegriffen, die hat er auf dem Rücken verschränkt.

Beide Wölfe gehen wie selbstverständlich auf zwei Beinen, haben eine wolfsunähnlich lange Schnauze, die spitz zuläuft, können klettern und reden, auch wenn sie letztere Fähigkeit lange nicht nutzen. Während der kleine Wolf mit blauer Gouache durchgehend gefärbt ist, ist der große mit schwarzem Buntstift eher grob (in der Schule hieße das «unordentlich – da arbeitest du aber noch mal nach!») gefärbt, an einer Längsseite etwas stärker, sodass ein räumlicher Eindruck entsteht.

Dieser große Wolf sitzt also wie üblich unter seinem Baum auf dem kleinen Hügel, als er von weither einen kleinen Punkt wahrnimmt, der sich langsam nähert, größer wird. Er fragt sich, ob das sich nähernde Tier nicht vielleicht sogar größer ist als er selbst. Aber diese Sorge erweist sich als unbegründet.

Wie selbstverständlich setzt sich der kleine Wolf neben den großen Wolf, erhält am Abend eine Ecke der Blätterdecke, klettert zusammen mit dem großen auf den Baum, um Frühgymnastik zu machen und erhält einen kleinen Teller vom gepflückten Obst zum Frühstück. Das Schweigen ist beiden gar nicht unangenehm, sie scheinen sich wortlos zu verstehen. Aber dann macht der große Wolf seinen Spaziergang allein und als er zurückkommt, ist der kleine Wolf verschwunden.

 

Wieder eine ganz wunderbare kleine Geschichte, die nicht viel Aufhebens macht um das Glück, das man empfindet, wenn man nicht allein ist, und darüber, dass man erst dann unglücklich wird, wenn man einmal dieses schöne Gefühl erlebt hat.

 

Genau diesen Ton treffen auch die Bilder, in denen es neben «dem» Baum zwar noch andere gibt, auch einige Blumen zwischen den Gräsern, die beiden aber eindeutig die Mittelpunkte bilden. Blassblauer Himmel oder das Gelbgrün der Gräser bilden den Hintergrund, vor dem die beiden sich mögen lernen, sich verlieren und – nach einem Winterbild sich wieder finden. Schön.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en