Janosch:
Tierische Parade
Die schönsten Vorlesegeschichten

Weinheim: Beltz 2011

www.beltz.de

 

 

Der Untertitel «Die schönsten Vorlesegeschichten» ist etwas missverständlich, denn die Anthologie ist eher Bilder- als Lesebuch, auch wenn die Geschichten eher für (noch) leseunkundige Kinder geschrieben sind. Tiere nehmen die Rolle von Personen ein, alle ein bisschen einfältig, ohne dass man sie «dumm» nennen würde, denn sie sind sehr sympathisch.

 

Zwischen 1978 und 1994 erschienen die zweiundzwanzig Geschichten, die hier anlässlich Janoschs 80. Geburtstag in einem Band veröffentlicht werden. Die Bilder sind deutlich gewichtiger als der Text, nur wenige Geschichten kommen fast ohne sie aus.

Wir haben die Grille, die den ganzen Sommer für die anderen Tiere Musik macht und für Freude und Gelöstheit und Tanz gesorgt hat. Als aber der Winter kommt, hat sie weder mit Haus noch mit Essen vorgesorgt und die, die sehr gern ihre kostenlose Musik hörten, verweigern ihr nun den Dank – bis auf den Maulwurf.

Wir haben die einfältigen Bär und Tiger, die sich aufmachen ins Land ihrer Träume aber gar nicht merken, dass das tatsächlich gefundene Land eben das ist, das sie vor geraumer Zeit verließen. Dennoch wird auch uns klar, dass das Sehnen nach der Ferne nicht aufgehört hätte, wären sie daheim geblieben.

Janosch fordert seine jungen Zuhörer, dass sie seinen Humor verstehen und ihn lieben lernen. Das geschieht sehr schnell, auch, weil das Bild den Text manchmal karikiert oder witzige Einzelheiten zeigt. Dazu gehört, dass der Tiger eine kleine getigerte Ente auf Rollen hinter sich herzieht, nötigenfalls mit der Leine im Maul, und sich immer Sorgen um diese macht. Dazu gehört, dass der Fuchs durchaus den Hasen im Maul oder die Gans vor dem Kochtopf hat. Dazu gehört, dass Grille und Maulwurf zusammen im Bett liegen und «kuscheln» oder der Frosch die Tigerente küssen will und auf die Erlaubnisfrage das Quietschen der Räder mit «Ja» interpretiert. Dazu gehört, dass auf dem Bild an der Wand steht: «Fast alles ist schön». Es ließen sich viele Beispiele finden.

Auch vor leicht derber Sprache macht Janosch nicht Halt: «Wir lernen hier aus diesem Mist, / dass alles so ist, wie es ist.», und das darf auch so sein.

 

Sehr schön, dass es einen Anlass gibt und sehr schön, dass es diese Neuauflage gibt.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en