Heekyoung Kim & Krystyna Lipka Sztarballo:
Wo geht’s lang?
Karten erklären die Welt

Aus dem Koreanischen von Hans-Jürgen Zaborowski

Hildesheim: Gerstenberg 2011

www.gerstenberg-verlag.de

ISBN 978-3-8369-5352-8
42 S * 12,95 € * ab 05 J

 

 

 

 

Wenn wir uns bewegen, wollen wir wissen, wohin es geht und wie wir wieder zurückkommen. Das Buch gibt einen kleinen Überblick über die Geschichte der Karten, benutzt Beispiele aus verschiedenen Zeiten und verschiedenen Orten der Welt, selbst eine Karte des Körpers ist dabei. Alle Karten sind eher aus der Distanz zu sehen und vermitteln nur einen «ersten Eindruck».

Kartographie

Dass Korea mehrere Seiten des Buches beansprucht, ist verständlich, denn es handelt sich um eine Übersetzung aus dem Koreanischen. Das hilft uns allerdings auch nicht viel weiter, denn Karten aus einer Gegend, in die wir vielleicht nicht kommen werden, sind eher «akademisch», das gilt auch für den Sternenhimmel: zu wenig, um wirklich Interesse zu wecken, zu viel, sodass das Interesse für unsere Gegend zu kurz kommt.

Insgesamt werden 18 Karten auf ebenso vielen Doppelseiten vorgestellt. Es beginnt mit einem Abbild der Marshall-Inseln in der Südsee. Da kein Papier zur Verfügung war, hat man die Rippen eines Palmblattes mit kleinen Muscheln «verziert», und genauso wie die Muscheln liegen die Inseln zueinander. Wenn man also weiß, wo man ist, dann kann man die Richtung zu irgendeinem der Ziele abschätzen.

Das ist sehr schön dargestellt, dazu Bilder im Stil der Naturvölker, der antiken Griechen, Römer, des Mittelalters, aus Arabien, aus Korea, Ostindien aus der Sicht eines Flamen (mit einer Hommage an niederländische Künstler wie Vermeer und Rembrandt, garniert mit einem Stadtplan an der Wand, wie wir ihn heute kennen).

Der Kartierung der Welt folgen Pläne aus verschiedenen anderen «Gebieten»: Piktogramme, U-Bahn, Weltall, Navi-Gerät, Genom.

 

Das ist alles sehr gefällig gezeichnet, der Anhang ist sehr informativ, besonders der Hinweis auf vier «empfehlenswerte Bücher zur Geschichte der Kartografie».

 

Was aber leider so gar nicht überfliegt, ist der Funke der Begeisterung. Man weiß nicht so recht, an wen sich das Buch richtet. Als Sachbuch geht es zu wenig in die Tiefe, als Bilderbuch erzählt es keine Geschichte. Dem Untertitel «Karten erklären die Welt» wird das Buch ebenfalls nicht ganz gerecht, denn wir erwarten, dass das Buch genau das zeigt, doch die Welt wird nicht erklärt, schon gar nicht durch die abgebildeten Karten.

 

Zweifellos ein ««schönes» Buch, liebevoll erstellt und im Design sehr stimmig, das auch vielleicht das Interesse an Kartografie oder Topographie wecken kann – aber es gibt eben auch viele Kritikpunkte.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en