Lisa Bresner & Frédérick Mansot:
Von den zehn Sonnen, die zwölf Monde liebten

Aus dem Französischen von Katharina Yu

München: Knesebeck 2011

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-329-7
62 S * 16,95 € * ab 05 J

 

 

 

 

Wir werden zweifach in eine uns fremde Gedankenwelt geführt: in das alte China und in die Welt der Sonne und des Mondes als Synonym für ewige (und unerfüllbare) Sehnsucht. Eine Rahmenhandlung kommentiert diese Geschichte und wir lernen nebenbei, einige chinesische Schriftzeichen wieder zu erkennen. Ein sehr liebevoll gestaltetes Bilderbuch mit viel Text, der besser in zwei oder drei Etappen vorgelesen wird. Die Vorleser werden mehr von dem Buch haben, als die Kinder.

Sie konnten zueinander nicht kommen

Spät erst erfahren wir, dass zwei der zwölf Monde bereits verheiratet sind (mit Göttern des Wassers: Ozean und Fluss), sodass wir noch zehn ledige weibliche Monde haben, die von 10 männlichen Sonnen begehrt werden. Auslöser ist die Sonne mit der Nummer 10, die sich in den Mond Nummer 12 verliebte. Doch beginnen wir mit der Rahmengeschichte.
Eine Frau mit Namen «Vier Meere» erzählt einem Kind die alte Geschichte. Der Text in diesen Teilen des Buches erwartet von uns, dass wir einmal gezeigte chinesische Zeichen kurz darauf (oder auch viel später, das mitgelieferte Lesezeichen hilft dabei) wieder erkennen, damit wir den Text richtig verstehen.
Der erzählt von den beiden Müttern Yang (für die 10 Sonnen) und Yin (für die 12 Monde), die ihre Kinder jeweils in den Himmel schicken müssen, ob diese es wollen («Ich bin nicht schwindelfrei!», «Die Wolken kitzeln mich immer») oder nicht. Der Rabe trägt die Sonnen auf den Himmel, die Monde werden von der Kröte aus den Zuckersümpfen auf den Himmel gespuckt.

Der Kern der Geschichte wird durch einen Nebensatz festgehalten, nämlich dass «gegen … Liebesleiden weder Bäder noch Seife etwas ausrichten» können. Danach wird die Sehnsucht Sonne-Mond auf die Erde projiziert, denn Yi wird zwar Held, indem er den Raben im Himmel verletzt, damit aber seine Frau Chang’e fast verliert. Dieses «fast» bringt der Geschichte eine ganz neue Wendung.

 

Das Papier ist grob, die Bilder verlangen für europäische Augen einige Offenheit. Die Hände der Personen werden im Vergleich zu Körper und Arm extrem klein (sie sind nicht die, die die Handlung vorantreiben), die ganzseitigen Bilder sind zumeist der Rahmenhandlung mit dem Text + chinesische Schriftzeichen vorbehalten. Die anderen illustrieren den Text, aber auch hier: ungewöhnlich für unsere Blicke.

 

Insgesamt muss gesagt werden, dass wir mit diesem Buch erheblich unseren Horizont erweitern – sowohl im Hinblick auf die Illustrationen und Bilder als auch auf die Geschichte selbst und ihre Rahmenhandlung.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en