Ewa Solarz & Aleksandra Mizielinska & Daniel Mizielinski:
Farbe Form Orangensaft
Verrücktes Design aus aller Welt

Aus dem Polnischen von Dorota Stroinska
Frankfurt: Moritz 2011

www.moritzverlag.de

ISBN 978-3-89565-229-5
168 S * 18,00 € * ab 12 J

 

 

 

 

Luigi Colani fehlt und auch der gesamte Bereich der Automobilbranche, aber ansonsten erleben wir einen weiten Ausflug in die Welt des Designs, vor allem aus dem Bereich des Wohnens. - Wer über Design schreibt und zeichnet, muss selbstverständlich seine Seiten selbst «designen», und das gelingt hier auf vielfältige Art. Eine interessante Geschichte des «schönen Seins».

Sein (Sign) oder Design

Das fast quadratische Format hat auf jeder Doppelseite eine stimmungsbildende Grundfarbe: der rote Ledersessel «B3» (später umgetauft auf «Wassily Kandinsky») von Marcel Breuer ist auf grünem Untergrund, der Korkenzieher mit dem Namen «Anna G.» wird als Dame in einem Schachspiel dargestellt, noch mit angelegten Armen, die sich beim Hineindrehen in den Korken weit auseinanderspreizen werden und dabei die Nebenfiguren umstoßen.

Die Piktogramme am oberen rechten Rand zeigen an, wann die Form erfunden wurde («1993»), aus welchem Material sie ist («aus Gewebe») und wozu sie dient («Gegenstand zum Schlafen»). Außerdem wird mit der Staatsflagge angedeutet, woher die Designer kommen («Deutschland»), die Zeichenerklärung geschieht vorab in der ca. 10-seitigen Einleitung.

 

Der Inhalt beginnt mit dem genialen Stuhl von Michael Thonet, den wir vielleicht als Kaffehaus-Stuhl kennen. Verpackt sind es wenige flache, runde Holzteile sowie einige Schrauben, aufgebaut beeindrucken die gerundeten Hölzer und die leicht nach außen stehenden Stuhlbeine. Das Buch endet mit der Illusion von «Kollektion Moment», die mit unserer Wahrnehmung spielt, uns ein einfaches Sofa durch die Bedruckung als kaum sitzbar darstellt und den Lichteinfall auf dem Teppich auch nur vorspielt.

 

So spielt das Titelbild mit den noch zwei Beinen der Orangenpresse von Philippe Starck mit den Größenverhältnissen und verstärkt damit den Eindruck, ein zweibeiniges Untier vor sich zu haben. Dabei kann man auf ihr lediglich Südfrüchte ausdrücken, damit das Fruchtwasser am Körper herunter in das Glas laufen wird, das wir darunter stellten.

 

Gut, das Sach-Bilderbuch ist eher für Erwachsene gemacht, die Freude am Design haben und ihr zu Hause gern danach ausrichten, aber die Kinder dürfen gern nachempfinden – und sich entsprechend weiterbilden, was «schön» ist und warum.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en