Irmi Feldmann & Theresia Koppers:
Auch kleine Ritter müssen mal ….

Zürich: Bajazzo 2004.

ISBN 3-907588-49-5.
32 Seiten.
12,90  €.

Ab 04 Jahre.

 

 

Ein kleiner Ritter lebt allein auf seiner Ritterburg zufrieden und vergnügt. Wenn es nur nicht dies Problem mit dem weiten Weg zum Klo in der Nacht gäbe. Immer vergisst der Ritter irgend etwas – und der Druck wird immer stärker.

Der vergessliche Ritter

Der Ritter ist klein, nicht etwa jung. Das sieht man zwar nicht an seinem Kettenhemd und dem Kettenkopfschutz, der oft wie eine kleine Krone flattert, sondern an seinem langen dünnen Schnurrbart. Sein Leben verläuft eintönig aber glücklich: Morgendlicher Einkauf unten im Dorf, danach Essen machen, Kettenhemd ölen, Ritterspiele machen, sein Reittier pflegen (ein gemütlicher Hund mit ungewöhnlich großem Kopf) und am Abend vor dem Kamin ein paar Rittergeschichten lesen.
Wenn nur die Nacht nicht wäre. Das Schlafen ist schon angenehm, aber da gibt es immer diese Zeit, in der der Druck auf die Blase größer und größer wird und ein weiteres Unterdrücken schier unmöglich. Also raus aus dem Bett und schnell zum weit entfernt gelegenen Klo laufen. Aber zuerst trifft er seine Pantoffel nicht, dann vergisst er den Schlüssel, anschließend die Fußbank.
Der Weg hin und wieder zurück und wieder hin und wieder ... usw. ist mit Merkorten gespickt, die drei Mal hin und zwei Mal zurück vorgelesen werden – ein beliebter Schreibtrick, denn Kinder lernen gern und schnell und sprechen bald mit.
Der relativ umfangreiche Text steht in den querformatigen Bildern, wird jeweils mit einem schönen Initial eingeleitet und mit einem kleinen Ornament beendet.

Die Bilder zeigen schiefe Perspektiven und eine Reihe von Nebensächlichkeiten, die zum Teil witzig, zum Teil aber auch unverständlich und gar nicht witzig sind. So liegt eine halb geschälte Limone auf den Zinnen, zwei kleine oft durchsichtige Geister begleiten den Ritter, die (falsch gezeichneten) Rosenblätter liegen gewickelt als Rosenkohl neben der Vase. Obwohl doch der Ritter allein wohnt, treten im Hintergrund andere Ritter auf, eine Frau, eine Fähnchen schwingende Maus. Das Bärenfell sieht aus wie von Erlbruch kopiert, die Treppenszene von Escher (wobei sie hier nicht den Effekt von dort erzielt), der Hund wie von Julia Kärgel gezeichnet. Warum das Klo drei sehr futuristisch aussehende Toiletten hat, sich der kleine Ritter aber ausgerechnet die höchste aussucht, um von dort sitzend in das darunter liegende Becken Pippi zu machen und die beiden Geister deswegen Beifall klatschen – es gibt eine Reihe von Ungereimtheiten, die dem erwachsenen Leser und Betrachter auffallen. Dazu gehört auch die Wendeltreppe, auf dessen Geländer der kleine Ritter nur deshalb herunter rutschen kann, weil sie gar keine ist (links steigt sie, rechts steigt sie auch, treffen sich also oben gleich über dem Bilderrand).

Neben dem Klo, das sicher auf keiner Ritterburg zu finden war, gibt es dort auch noch einen Swimmingpool, bezogene Bügel, an denen Kostüme hängen, die wir zuvor noch gar nicht sahen, eine Flasche Schampoo schwimmt darin.

Und einen Nachttopf, der den vergesslichen Ritter von seinen nächtlichen Wegen zum Klo erlösen wird, den gab es auch noch nicht.