Cromwell:
Der letzte Mohikaner

nach James F. Cooper von Catmalou & Cromwell
aus dem Französischen von Tanja Krämling
Bielefeld: Splitter 2010

www.splitter-verlag.de

ISBN 978-3-86869-099-6
o. P. * 19,80 € * ab 15 J

 

 

 

 

Nicht zuletzt durch die mutigen Bilder ist Cromwell eine sehr beeindruckende Interpretation des bekannten Buchs von J. F. Cooper gelungen. Um sie richtig würdigen zu können, ist es allerdings hilfreich, wenigstens in groben Zügen die Geschichte zu kennen, damit man gleich von Beginn an die Bilderkapitel einordnen und richtig verstehen kann.

Lederstrumpf

Der französische Illustrator und Autor, der sich Cromwell nennt, gliedert seine Graphic Novel in 3 Akte und führt jedes der 14 Kapitel mit einem Zitat und einem Bild ein, das deutlich der dunklen Grundstimmung entgegen steht. Er unterlegt jede Doppelseite mit einer Szene oder Landschaft und fügt dann einzelne Panels in je einen kurzen Strip ein, die den Fortgang der Handlung zeigen. Der Text ist fast immer in Weiß gedruckt, die Drucktypen erinnern an eine Druckhandschrift und haben ausschließlich große Buchstaben. Er beschränkt sich meist auf Dialoge, die nur grob mit einem hellen Strich je einer Person zugeordnet werden.
Die Grundfarben sind neben Schwarz ein Oker bis Braun, mehrmals meint man, dass mit Spachtel und Ölfarbe gearbeitet wurde. Die Konturen sind deutlich sichtbar. So undeutlich Cromwell bei seinen Menschen zumeist bleibt, so geht er einige Male ganz dicht heran an ein Gesicht, und das wirkt oft hässlich und einschüchternd. Es ist kein «liebes» Buch, will es auch nicht sein.

Mit groben Gesichtszügen und tiefen Kerbrillen machen wir Bekanntschaft mit Magua, dem Huronen, der die Rolle des Bösen aufseiten der Franzosen unter General Montcalms zu übernehmen hat. Seine tief liegenden Augen über der heruntergezogenen flachen Stirn, die riesige, leicht gebogene Nase und die lederne Haut über dem hervorragenden Kinn machen ihn uns ebenso unsympathisch, wie sein Schnaps trinken oder seine markante Spur, an der man sehen kann, wie seine Zehen sich beim Laufen tierhaft in den Boden krallen. Er ist derjenige, der mit seinen Männern nach der Kapitulation des Forts William Henry den versprochenen gewaltfreien Abzug der Engländer mit einem Massaker missachtet. Er ist derjenige, der die beiden Töchter von General Webb entführt und sich eine der beiden zur Frau nehmen will. Er ist derjenige, der nach dem ersten Blutrot einiger Seiten – die Jagd von Unkas und seinem Hund, dem «Räudigen», auf einen Hirschen - für weitere sorgt. Die Zeiten gelten nicht als zivilisiert, man muss schnell sein und möglichst unsichtbar, gut schießen können und auch Glück haben. Dann kann man überleben.

James Fenimore Cooper hat seine Lederstrumpf-Romane um einen Trapper geschrieben, der wechselweise Falkenauge, Lange Büchse, Lederstrumpf oder Hirschtöter genannt wird, in Wirklichkeit aber Nathaniel «Natty» Bumppo heißt. Ihm zur Seite sind die beiden Mohikaner Chingachgook und sein Sohn Unkas (auch: Uncas) sowie deren bereits genannter Hund. Unser Bild der Indianer südlich der Seenplatte der USA und ihre Rolle beim britisch-französischen Krieg um die Vorherrschaft in den amerikanischen Kolonien des 18. Jahrhunderts ist wesentlich geprägt durch diese Bücher, die sich jedoch nur bedingt an historische Vorbilder anlehnen. 

Neben diversen Verfilmungen, die sich kaum mit der eigentlichen Problematik auseinandersetzten, sondern eher in die Reihe der Action-Filme gehören, wurde «Der letzte Mohikaner» mehrfach auch ins Deutsche übersetzt, häufig jedoch bearbeitet als Kinder- oder Jugendroman. Cromwell hat hier eine neue Dimension hinzugefügt, die sich nicht nur auf Illustration oder Bebilderung beschränkt, sondern zugleich ein eigenständiges Medium ist, das auch mit dem Begriff «Comic» nicht zu umschreiben ist. Die Zielgruppen sind denn auch eher in den Jugendlichen oder jungen Erwachsenen zu sehen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en