Wilhelm Busch & Jonas Lauströer:
Hans Huckebein der Unglücksrabe

Bargteheide: Minedition 2010

www.minedition.com

ISBN 978-3-86566-126-5
44 Seiten * 14,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Das ist ein Rabe! Die Frechheit sieht man schon im vielfachen schwarzen Strich des Tieres mit dem geduckten Hals aber neugierig nach vorn gestrecktem Kopf. Ganz wunderbare neue Illustrationen alter Verse, die die Lust an der Geschichte in jedem Bild spüren lassen.

Und Übermut kommt zum Beschluss,

Der alles ruinieren muss.

Auch wenn sie (leider) nicht mehr Allgemeingut sind, so haben Wilhelm Buschs paarweise gereimte Verse nichts eingebüßt an Pointierung und Treffsicherheit. Für den, der die Geschichte nicht kennt, sei sie hier kurz erzählt: Der Knabe Fritz fängt einen Raben und nimmt ihn mit nach Hause. Das Tier gebärdet sich allerdings als  wahrer Unhold. Dem Hund stiehlt er den Knochen, der Katze dreht er fast den Schwanz ab, das Heidelbeerkompott verspritzt er im ganzen Haus und spaziert anschließend mit den Schmutzfüßen über die frisch gewaschene Wäsche. Dann sorgt er auch noch dafür, dass die Tante stürzt und mit der Gabel ihren Neffen im Ohr erwischt. Und immer gut er gut weg, der Teufelsbraten. Fast immer jedenfalls. Wie so oft ist es der Alkohol, der seinen Blick trübt und ihn, den Hans Huckebein, ins Unglück stürzt und so dem Untertitel der Geschichte gerecht wird. Den Texten beigeben sind, sozusagen als Zugabe zu den Hauptbildern, einige mit schwarzem Stift gezeichnete Skizzen.

 

Wenn man sagt, dass die Illustrationen „gelungen“ seien, so untertreibt man maßlos. Das für Detailbilder eher ungünstige Format wird sehr gut ausgenutzt, um Bewegungen nicht festzuhalten, sondern darzustellen. Für den Kopf von Fritz nutzt er Fotos, die er ein wenig verfremdet. In die Brauntöne der Bilder setzt er dieses tiefe Schwarz des Rabens, belässt auf vielen Bildern Entwurfslinien aus Bleistift und kleckst, schraffiert, schabt, übermalt. Ein herrliches Bild des Raben gelingt mit dem übergestülpten Likörglas, das fast wie eine Lupe wirkt. Aber das absolute Vorzeigebild ist in der Mitte: der dreifache Hans Huckebein im Heidelbeertopf zwischen Angst vorm Ertrinken und Freude am Planschen. Herrlich!

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en