Eric Corbeyran & Richard Horne:
Die Verwandlung

von Franz Kafka
Aus dem Französischen von (?)

München: Knesebeck 2010

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-266-5
48 Seiten * 19,95 € * ab 12 Jahre

 

 

 

 

 

Ohne seine Hilfswerkzeuge ist der Mensch hilflos gegen andere Tiere und die Natur. Wahrscheinlich mit Recht haben wir also einen Schauder vor den Insekten, Schaben, Kakerlaken, kurz: Ungeziefer, sind sie doch ob ihrer Menge weitestgehend immun gegen unsere Hilfsmittel. Hier nun geschieht unglaubliches, nämlich die Verwandlung eines Menschen in eine Schabe. Ohne Vorwarnung erwacht der Handlungsreisende Gregor Samsa in anderer Gestalt. Der Albtraum kommt nach dem Schlaf.

Klassiker

Die rechteckigen, düsteren Bilder sind auf einem großen Bild oft schräg gesetzt, sodass der Untergrund hervorschaut. Das Braun und wenige weiße Flecken sind keine echte Konkurrenz zum Schwarz, das den Bildern diese Art von Düsternis verleihen, die zu unserem Schauder passt.

Dem entspricht, dass der Handlungsreisende in seiner neuen Gestalt immer noch meint, er müsse das Donnerwetter seines Chefs verhindern, wenn er zu spät zum Dienst erscheinen würde. Er will seine Veränderung einfach nicht wahrhaben, meint gar, dass Vater, Mutter und Schwester seine gesprochenen Wörter verstehen könnten, da er ja auch sie versteht.

Dazu kommt die Diskrepanz des sachlich, nüchternen Erzählstils, fast als würde wir eine Dokumentation lesen. Dabei sehen und lesen wir den krassen Gegensatz, die fiktive und grässliche Metamorphose eines jungen Mannes, dessen Namen wir sogar gleich erfahren und ihn so personalisieren. Die Veränderung eines jungen Mannes in eine Schabe in einer durchschlafenen Nacht, eine Schabe, die dazu noch in ihrer Größe in etwa der des Gregor Samsa entspricht.

 

Kafka schrieb die Erzählung bereits 1912, sie erschien aber – wie alle seine berühmten Werke – erst nach seinem Tod, übrigens gegen seinen zuvor erklärten Willen. Die hier vorliegende Fassung hält sich textlich stark an das Original, auch wenn die Dreiteilung deutlicher dargestellt sein könnte: die Verwandlung und erstes Akzeptieren – die Familie mit dem neuen Leben – Trennung und Tod. Dennoch ein herausragendes Buch, das im Gewand der Graphic Novel eine neue Dimension erfährt, die leseunlustigen Jugendlichen einen guten Anreiz gibt, sich mit Literatur zu beschäftigen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en