Franz Kafka & Stefanie Harjes:
Kafka

Ravensburg: Ravensburger 2010

www.ravensburger.de

ISBN 978-3-473-35308-8
128 Seiten * 14,95 € * ab 15 Jahre

 

 

 

 

 

Im Vorwort beschreibt Stefanie Harjes ihr «Verhältnis» zu Franz Kafka, das sie offensichtlich während ihrer Arbeit an dem Buch aufbaute: die Annäherung und Umarmung einer Illustratorin an einen der bedeutendsten Schriftsteller um die Jahrhundertwende des 19. in das 20. Jahrhundert. Das beginnt mit dem Titelbild. Ein mit schwarzem Edding gekritzelter Rabe lässt vor seinem Schnabel anstelle eines Kopfs knapp Platz für ein nur fast vollständig übermaltes Foto von Kafka.

verliebt in K.

Die Annäherung an Kafka gelingt über die großen Werke, die kleinen Zitate und an die Briefe an Milena Jesenská, verheiratete Polak, in 44 Kapitel, die manchmal nur eine Doppelseite umfassen. Sicher kann man darüber streiten, ob und wie weit man berechtigt ist, Literatur zu verkürzen, aber hier ist sie durchaus gelungen, verführt den Leser geradewegs, sich das Original zu besorgen und darin zu schwelgen, wie es die Illustratorin mit ihrem Sprachkünstler machte.

 

Sie lässt sich ebenso wenig fassen wie es Kafka machte, der sich hinter diversen Geschichten versteckte, sich hinter dem Protagonisten mit Namen K. fast verleugnete. Mal zeichnet sie wie für ein Kinderbuch, dann wiederum sind die Zeichnungen von nackten Frauen sehr überraschend. Kein Bild ist ausgearbeitet: Krakeluren, unkenntlich Durchgestrichenes, zitierte Text in grober Schreibschrift oder in Illustrationen. Dabei werden auch Fremdzitate eingefügt (von Michelangelo bis Fernsehwerbung), aber auch viele ausgesprochen merkwürdige Illustrationen gesetzt.

 

Was man dem Buch an jeder Stelle anmerkt, ist die Liebe der Illustratorin zu den Erzählungen oder wenigstens zu einigen Zitaten des Autors. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits führt es uns direkt in die Welt von Franz Kafka und seinen Schöpfungen. Zu rotem Untergrund mit schwarz gekritzelter Katze zu grünen Augen wird abgedruckt: «Das Tier entwendet dem Herrn die Peitsche und peitscht sich selbst, um Herr zu werden …» (aus dem ersten Oktavheft – nicht annotiert) – eine ungebührliche Aussage eines geschundenen Tieres, das sich selbst weiter schinden will, um Herr zu werden über geschundene Tiere. Da ist die Aussage, dass «Gastfreundschaft bei uns nicht Sitte» sei schon fast freundlich.

 

Das Buch lebt nicht nur von den Illustrationen, es verführt geradezu, sich Franz Kafka im Original zu besorgen, mindestens: Der Prozess, Die Verwandlung, Das Schloss.

 

Eine wunderbare Annäherung wie eine sehr gelungene Interpretation zu einem Gesamtwerk, das auf keinen Fall in Vergessenheit geraten darf.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en

 

PS Prämiert von der «Stiftung Buchkunst – eines der schönsten Bücher»