Donna Leon:
Tiere und Töne
Auf Spurensuche in Händels Opern

Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
mit Bildern von Michael Sowa
CD eingespielt vom Complesso Barocco unter Leitung von Alan Curtis
Zürich: Diogenes 2010

www.diogenes.ch

ISBN 978-3-257-06763-7
137 Seiten * 19,90 € * ab 12 Jahre

 

 

 

 

Eine zunächst merkwürdige Idee, barocke Musik mit je einem von 12 Tieren in Verbindung zu bringen – und dann auch noch von nur einem Komponisten, so als hätte dieser so etwas geplant, wird zu einem wunderschönen Buch mit einer liebevoll eingespielten CD mit 12 Arien. Das mögen auch Menschen, die mit Oper oder Arie ansonsten wenig anfangen können. Die augenzwinkernden Bilder von Michael Sowa tun ein Übriges.

Barock, Tier, Musik

Löwe, Schlange, Nachtigall, Biene, Taube, Tiger, Frosch, Elefant, Falter, Hirsch, Taube und – nicht ganz echt – Phönix sind die Themen von Text und Lied. Löwe, mit dem Herrscher, «Majestät und Macht», beginnt das Dutzend. Die Arie «Qual leon che fere irato» ist dem Drama «Ariane in Kreta» (HWV 32) entnommen, die Georg Friedrich Händel für Margherita Durastanti 1733 komponierte.

Der Text im Buch folgt dem Bild von Michael Sowa: zunächst das Libretto des Gesangs, dann eine Mischung von Assoziationen oder Legenden über das jeweilige Tier sowie Informationen über die Entstehung der jeweiligen Arie.

 

Das ist sehr kurzweilig zu lesen, während im Hintergrund die gar nicht nervigen, sondern im Gegenteil sich mehr und mehr in den Vordergrund spielenden Arien vom CD-Player in das Ohr gelangen.

 

Bleiben noch einige Blicke auf die Bilder, die Michael Sowa oft ein wenig klein und sparsam in Details, aber mit einer gehörigen Portion Humor, wenn nicht sogar Ironie zeichnet. Die Nachtigall wird (fast) nicht bebildert. Dafür zeichnet er einen Jäger mit Gewehr und Hund vor einem Baum: Habe ich ihn getroffen? Ganz klein, kaum erkennbar, sieht man den Vogel in den bewölkten Himmel davonfliegen. Geschafft! Die Bienen haben es da leichter. Sowa gibt ihnen einen merkwürdigen Rahmen, indem er zwei Bienen auf dem Rücken liegend zeichnet, als würden sie sich im Mondschein bräunen wollen. Er antwortet so auf das Libretto, das die Biene als «raffiniert» bezeichnet und ihr die Unrast vorwirft.

 

Viele Sinne werden angesprochen – sehr zugunsten von unserem Vergnügen / sehr zugunsten von Geschmacksbildung.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en