Květa Pacovská:
Farben des Tages

Aus dem Französischen von Ingrun Wimmer

Hamburg: Carlsen 2010

www.carlsen.de

ISBN 978-3-551-51745-6
168 S * 24,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Quadratisch und klein in Rot und Schwarz und sehr dick steht das Leporello im Regal. Beim Aufblättern kann man die angeklebten Seiten spüren und auch sehen, aber erst beim fünften Blättern. Zuvor ist man fasziniert von den Ideen und Gefühlen, die Květa Pacovská zu Papier brachte. Pop-Ups und Durchguckfenster, viel Rot und Schwarz, etwas Komplementär-Grün, Diffraktionsfolie, Graffiti … Was macht man mit mehr als 150 geknickten Seiten?

Sich treu

Gleich zu Beginn spielt die Illustratorin mit der markanten Schrift, die einen ebenso hohen Wiedererkennungswert hat wie ihre Bilder, indem sie die quadratische erste Seite (nach dem doppelten Umschlag) mit einem Dreieck durchlöchert, das gegenüberliegende aber ebenfalls. Beide sind deutlich entfernt davon, einer Symmetrieachse des quadratischen Formats Genüge zu tun. Außerdem ist das erste Dreieck offensichtlich gleichseitig, das zweite aber nur, wenn auch knapp, gleichschenklig – und zudem leicht so verdreht, dass sich auch hier keine Symmetrie ergibt. Das kann man nachmessen, wenn man skeptisch ist, aber man merkt beim Anschauen schon, dass dort jemand am Werk ist, der das Spielen mit Farbe und Form (und Schrift) gewohnt ist. Das betrachtende Auge soll beschäftigt werden. So ist der Titel um das erste Dreieck gleich dreifach gedruckt. Autorin/Illustratorin und Verlag begnügen sich mit einfacher Nennung.

 

Um sich das vorstellen zu können: Wir sprechen von einem kleinformatigen Buch, das sich wie eine Ziehharmonika auffalten lässt und vor allem Rot und Schwarz zeigt, ohne allerdings die anderen Farben völlig zu negieren. Wenn man sich dann auch noch vorstellt, dass auf jeder Seite – und auch auf der Rückseite – etwas Neues passiert, dann hat man etwa eine Ahnung von diesem «Buch».

 

Wem aber soll es neben kunstbeflissenen Erwachsenen dienen? Es hält sich hervorragend in jeder Buchhandlung (schönen Gruß an die Dekorateure), es macht sich sehr gut im Kunst-Unterricht einer Oberstufe, aber auch für bestimmte Themen der Mittelstufe, es hilft bei der einfachen Herstellung von Pop-Ups und, nach allem, es ist einfach «schön». Wer es hat, gibt es nur sehr ungern wieder her.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en