Feeroozeh Golmohammadi & Fereshteh Sarlak:
Der kleine Schakal, der ein Pfau sein wollte

nach einer Dichtung von Rumi
Zürich: bohem press 2010

www.bohem.ch

ISBN 978-3-85581-481-7
28 Seiten * 12,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Die Geschichte ist in der Tierwelt des Irans angesiedelt. Der kleine Schakal möchte gern Herrscher über die anderen Tiere sein. Dazu will er den Pfauenthron besteigen und auch so prachtvoll aussehen wie ein Pfau. Am Ende hat er etwas gelernt, das mit dem Begriff «sich mit fremden Federn schmücken» nur ungenau umschrieben ist. Die Autorin und die Illustratorin, die aus dem Iran stammen, schaffen eine für uns neue Welt.

Pfauen sind nutzlose Tiere

Im Deutschen hat der Schakal keinen guten Ruf, gilt eher als hinterhältig und feige und ist in keiner Weise ein Alphatier. Auf dem Titelbild, das sich auf dem Rückendeckel fortsetzt, sehen wir einen Schakal mit bunter Mähne und vielen Farbklecksen aufrecht auf einem spartanisch ausgestatteten Fahrrad. Einen Arm hat er hoch gereckt, das Maul ist weit aufgerissen: Schaut her, ich bin ein Pfau! Der lange Schal, der hinten ans Fahrrad gebunden ist, flattert hinter ihm her. Und? Wird er anerkannt? Die vier Pfauen im Hintergrund schauen jedenfalls von erstaunt bis skeptisch. Älteren Erwachsenen wird – vielleicht – der «Pfauenthron» im damaligen Persien einfallen und der Schah Reza Pahlewi und alles, was in Deutschland und im späteren und heutigen Iran dazu zu erzählen ist. Ob das Buch dagegen wirklich eine geplante Anspielung darauf sein soll, ist wohl eher zu bezweifeln, obwohl die Parabel auf die Situation, wie aber auch viele andere passt.

 

Die Bilder führen uns wie das Thema in eine für uns fremde Welt. Im Vorsatz wie auf der ersten Seite wird das Titelbild zitiert, dann kommt – ungewöhnlich für ein Bilderbuch – das Hauptbild auf der linken Seite, der kurze Text auf einer großen freien Seite, die am oberen Rand einen Bildstreifen zeigt mit uns fremden Häusern in gelb-orange und eine komplementär blau-violette Landschaft: geheimnisvoll, dunkel, keine Lebewesen, erst recht keine Menschen. Links dann dieser Schakal mit schlankem Hals, der in einen ebensolchen Kopf übergeht. Die dünnen weißen Haare verdecken zum Teil die Augen und stehen stripsig über seinem Kopf und von seinen aufgerichteten Ohren. Er ist mittendrin unter einer Leine, von der ein Schal, eine kleiner Lampion, ein Schuh, eine Sicherheitsnadel und undefinierbare Gegenstände herabhängen. Dunkler Hintergrund auch hier, ganz oben zwei Häuser, wenige Bäume. Alles sehr merkwürdig.

Ähnlich zeichnet Frau Golmohammadi weiter, einmal zitiert sie gar Kvĕta Pacovská mit der Farbigkeit. So schlicht und deutlich die Parabel daherkommt («“Nein, nicht mal das kann ich“, jammerte der kleine Schakal.»), so geheimnisvoll sind die Bilder dazu.

 

Eine sehr gelungene Mischung, die auch dreijährige Kinder verstehen, und über die noch längere Zeit – Bild für Bild – sprechen können.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en