Franz-David Baumann & Henk Flemming & Doris Eisenburger:
Die Pecorinos

München: Terzio 2010

www.terzio.de

ISBN 978-3-89835-7909-6
48 Seiten * 19,95 € * ab 08 Jahre

 

 

 

 

Dies ist ein Buch zwischen Musik (Jazz), Bild (auch Notenbilder plus Harmonien / Chords) und Text. Die Lieder auf der beigelieferten CD (der Text wird auch gesprochen) verweisen auf das eigentliche Thema des Buches, nämlich Kinder mit dem Jazz schon in frühen Jahren in Verbindung zu bringen. Das ist nicht verwerflich, denn Jazz ist ebenso wie Klassik ein Zeichen für Qualität. Die Geschichte um die Mäuse ist da eher nebensächlich.

Miles Davis

Pecorino ist ein (teurer) Käse aus Schafsmilch aus Italien. Hier dient er als Name einer Jazzgruppe, die aus folgenden Personen besteht (in Klammern sind die Anspielungen auf echte Jazzer): Dizzie (Gillespie) mit seiner merkwürdig geformten Trompete, Charly (Parker, genannt Bird), Danny (Kaye, evtl. auch Kenny Clarke, Schlagzeug), Paul (Chambers, Bass), Mick (Thelonious Monk, Piano) und – später dazu gestoßen – Billie (Holiday, Sängerin). Die Kriminalgeschichte handelt von falschen Verdächtigungen. Immer, wenn es um Käsediebstahl geht, werden Mäuse verdächtigt – und nötigenfalls gleich mal eingesperrt. Der Gefängnisdirektor (ein dicker Bulldog) ist allerdings ein bisschen beschränkt und ermöglicht den fünf Musikern die Flucht. Eine Verwechslung gibt ihnen nicht nur die Möglichkeit, mit einem Luxusschiff nach England zu gelangen, sondern die Band bekommt Zuwachs: Billie. Zur Tarnung verändern sie in Liverpool ihre Frisuren und dürfen in einer Kellerbar spielen, dem Cavern-Club. Der Hinweis auf die Beatles ist unübersehbar. Der Katzen-Kommissar K. mit seinem Helfer ist dicht hinter den Flüchtigen her («Henry! Nein, nicht den Wagen holen …» lässt auch Derrick schön grüßen), abermals gelingt die Verhaftung nicht.

Die Postkarte aus Paris macht den Polizisten auch nicht froh. Aber jetzt weiß er wenigstens, wo er die Suche wieder ansetzen kann. Im nächsten Buch.

 

Die Geschichte und die mitgelieferten Noten sind so angelegt, dass ein Musical aufgeführt werden kann. Hilfreich wäre eine Karaoke-Version der Musik, denn sowohl die Melodien wie auch die Harmonien sind nicht für Anfänger gemacht. Die CD zeigt, dass hier Profimusiker am Werk sind, die ihr Handwerk sehr gut verstehen.

Das gesamte Buch ist auch im Internet (www.terzio.de) anschaubar, einige Musiktitel werden dort ebenfalls angespielt.

Die Spielfreude der Band (www.panama-ensemble.de) hört man, die Zeichenfreude von Doris Eisenburger sieht man. Sie bildet die handelnden Personen ausschließlich als Tiere ab. Der Kommissar ist sinnvollerweise ein Kater, sein Helfer ein Dackel, der Gefängniswärter eine Bulldogge, die Verwechslungsband besteht aus Pinguinen, die sich ihren Frust offensichtlich weggetrunken haben und dabei viele Noten verloren, die der Waschbär auf dem Bahnsteig auffegen muss. Der Kapität des Luxusschiffes ist ein Walross, die Gäste im Cavern sind sehr verschieden. Unsere fünf plus einer Maus sind es auch, unterschiedlich groß und dick und sehr individuell. Jazzmusiker eben.

 

Eine gute Idee, mit vielen Hinweisen (für die erwachsenen Vorleser und Käufer) versehen und viele Sinne ansprechend – auch wenn man die Originalmenschen nicht (mehr) kennen sollte. Dann hätte der Tontrichter der Trompete ja auch nach oben abgeknickt und kein Tenor-, sondern ein Altsaxofon gezeichnet werden müssen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en