Libby Gleeson & Freya Blackwood:
Leo & Lena und das schönste Haus der Welt

Aus dem australischen Englisch von Michael Stehle

Stuttgart: Urachhaus 2010

www.urachhaus.com

ISBN 978-3-8251-7744-7
32 Seiten * 14,90 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

 

Die Eltern ziehen von einem kleinen Haus aus der Vorstadt in ein Viereinhalb-Geschosse hohes Haus in der Stadt. Dort ist für Leo alles viel zu groß. «Komfortabel» sagt die Mutter, aber Leo erinnert sich Seite für Seite an die gemütliche Enge, die er bisher kannte. Nun lernt er im Hof eine ganz andere Enge kennen, die der Kartons, und außerdem noch Lena von nebenan.

Alt und Neu

Leos Eltern sind nur ganz kurz auf einem Bild zu sehen. Wir schauen durch Leos Augen, auch wenn er selbst auf den Bildern zu sehen ist. Die Grundfarbe der Seiten ist kartonbraun. Die rechteckigen Bilder werden hineingesetzt wie der kurze Text. Wenn wir uns nach draußen begeben, dann übernehmen die rund 50 Kartons im Hof diese Farbe, während der Hintergrund mit Weiß übermalt ist oder das Blau des Himmels zeigt. In Leos Augen ist der Kartonturm im Hof höher als die Schornsteine der benachbarten hohen Häuser, und die Kinder balancieren in – für uns – gefährlichen Höhen auf den Rändern dieser Kartons, um sie noch höher zu bauen.

 

Als sich Lena zu Leo gesellt und ihn fragt, ob sie mitspielen dürfe, verändert sich die Geschichte, die zunächst in die Vergangenheit gerichtet war, sie sogar – in Leos Erinnerung – überhöhte. Nun ist Abenteuer angesagt, Spiel zwischen zwei Kindern im etwa gleichen Alter kurz vor der Einschulung. Da ist Fantasie gefragt, die bereits von einem großen Karton beflügelt wird – und hier sind es ganz viele. Einziger kleiner Wermutstropfen ist die Art der Geschichte, die die Leo und Lena nachspielen: Disneys «Drei kleine Schweinchen und der böse Wolf». Kennt man die denn heutzutage überhaupt noch? Und wie passt gerade diese «Vorlage» in die Fantasie der Kinder?

 

Wir jedenfalls sehen zum Schluss, wie Leo Lena an der Hand hält und sie die letzten zwei Stufen zur bereits geöffneten Eingangstür mit hineinnimmt in seine neue Welt. Sein armer Stoffhund, Begleiter bei allen Erinnerungsbildern, liegt unbeachtet weiter unten auf der Treppe zur Belle Etage. Adieu, du alte Zeit. Willkommen, du noch unbekanntes Neues.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en