J. & W. Grimm und Rainer Sacher:
Der süße Brei

Leipzig: LeiV 2010

www.leiv-verlag.de

ISBN 978-3-98603-357-4
12 Seiten * 9,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

In Art der Wimmelbilder wird das Grimm’sche Märchen «Der süße Brei» ohne Worte in fünf Doppelseiten erzählt – und gleichzeitig mindestens acht weitere. Diese muss man allerdings einzeln, Bild für Bild, weiter verfolgen, um dann zurückzukehren zum Anfang für die andere Geschichte. Sehr interessant gemacht und längst nicht nur für Kinder, die ansonsten Zielgruppe für Hartpappe-Bücher sind.

Topf

Das kurze Märchen vom Topf, der auf Kommando kocht, um das arme Mädchen und ihre Mutter vom Hunger zu befreien, ist auf der hinteren Buchdeckelseite abgedruckt. Im Buch selbst aber kein Wort, dafür viele Geschichten: der entflogene Vogel; die vergebliche Flucht des Diebs; die Hochzeit; das defekte Auto; der Mann auf dem Plumsklo; die Maurer und die Feuerwehr; der Drehorgelmann mit seinem Affen; diverse Fluchten.

Alle Geschichten werden getrieben durch den Brei, der aus dem Fenster der Dachgaube und aus der Haustür in die enge kleine Stadt strömt, sie einnimmt, Stockwerk für Stockwerk, sodass die Bewohner nach außerhalb der Stadtmauer fliehen.

Der Bildausschnitt öffnet sich im Lauf des Umblätterns, beim Film heißt das «Aufziehen». Wir müssen schon genau schauen, wo und wie unsere jeweils verfolgte Geschichte weiter geht, da wir immer mehr Umgebung sehen und die Details dadurch weniger werden. Der Brei bedeckt die Stadt bis an den Rand, von einigen Häusern sieht man nur noch das Dach.

 

Die kolorierten Bilder von Rainer Sacher sind mit feinem Strich schattiert, seine Menschen sehr individuelle Persönlichkeiten, wiedererkennbar durch ihre spezielle Bekleidung. Während die Stadt in roten und braunen Tönen gestaltet wird (mit gelbem Brei, der sich durch die Straßen wälzt), ist der rechteckige Rahmen mit den abgeschrägten Ecken um die Doppelseite grün gehalten. Ein guter Kontrast, der deutlich macht, wie eng die Welt ist, in der diese Leute leben. Unsere wahrscheinlich auch.

Über die Geschichte gibt es dank des Buchs viele Redeanlässe, Suchen, Verfolgungen. Das ist ganz gewiss etwas Gutes. Das Buch auch.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en