Tobias Krejtschi:
Wie der Kiwi seine Flügel verlor

Nach einem Mythos der Maori

Wuppertal: Peter Hammer 2010

www.peter-hammer-verlag.de

ISBN 978-3-7795-0301-9
24 Seiten * 15,40 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Eine wunderbare Geschichte über das Wappentier Neuseelands, den Kiwi. Der nachtaktive Schnepfenstrauß wird in der Maori-Sage als Retter des Waldes und damit auch aller Vögel gelobt, denn er verzichtete mit seiner Opferung auf das Licht der Sonne, seine bunten Federn, seine großen Schwingen. Als grauer Laufvogel fristet er seitdem sein Dasein – allerdings auch als Wappentier.

sich opfern

Rund 30 cm groß sind die grauen Kiwis und ernähren sich im wesentlichen von wirbellosen Kleintieren. Die bedrohen in der Maori-Sage den Wald, denn sie fressen „die Blätter, die Rinde und auch die Wurzeln der Bäume“. Der riesige Hüter des Waldes, Tane Mahuta, muss hilflos zusehen, wie der Wald „krank und kahl“ wird, stirbt. In seiner Not bittet er seinen Bruder Tane Mahuta um Hilfe. Der möge als Hüter der Vögel diese ermuntern, gegen die Insekten zu Felde zu ziehen, wird mit der Vernichtung des Waldes auch ihr eigener Lebensraum vernichtet.

Wen Tane Mahuta aber um Hilfe bittet, er hat ein Argument dagegen, das eher wie eine Ausrede klingt. Vier Vögel sagen ab, sodass das Ende besiegelt scheint. Doch da meldet sich der Kiwi „in seinem schillernd Federkleid“ zu Wort. Der Hüter fragt ihn mehrfach, ob der Kiwi wirklich bereit sei für das Opfer, und bestraft anschließend die vier, die sich verweigerten.

 

Die Bilder sind so „exotisch“ wie die Geschichte. Die beiden riesigen Hüter sind im Gesicht tätowiert, die langen schwarzen Haare erinnern an Lakritz-Schnecken. Der nackte Körper wird mit einem kurzen Fell über den Schultern gewärmt, ein Rock aus pflanzlichem Material bedeckt die Blöße. Die dicken Baumstämme entwickeln dicke Äste, die wie Finger nach oben zeigen und in einer dicken, dichten grünen Laubwolke stecken.

Zusätzlich werden auf den eigenen Textseiten schwarze (Holz-?) Drucke abgebildet, die Teile des Textes aufnehmen und wie ein Schatten die großen Illustrationen zitieren.

Der Geschichte können dreijährige Kinder schon gut folgen. Dass es Hüter des Waldes, Hüter der Vögel usw. gibt, mag man gern glauben. Die vierfache Wiederholungen im Text mögen die Kinder gern und lernen bei dieser Gelegenheit, warum der Kuckuck kein eigenes Nest baut, bauen kann und warum die Eule nur bei Nacht unterwegs ist.

Zugleich wird der Blick auf den Schutz der Natur gerichtet, der wahre Kern einer Geschichte erkannt und mit den Bildern eine fremde Kultur adaptiert. Schön.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en