Anna Xiulan Zeeck & Christa Unzner:
Kuku – König der Tierkreiszeichen

Oldenburg: Desina 2010

www.DesinaVerlag.de

ISBN 978-3-940307-18-7
80 Seiten * 19,50 € * ab 08 Jahre

 

 

 

 

Anna Xiulan Zeeck verpackt die Entstehung der chinesischen Jahresnamen in eine Geschichte, in der eine Maus die Hauptrolle spielt. Die Maus Kuku ist es, die nacheinander mit den Tieren in Berührung kommt, die der Weise, den sie im Auftrag der Prinzessin aufsucht, für die 12 Tageszeiten bestimmt. In Anlehnung daran werden auch die Jahre einen 12-Jahre-Rhythmus erhalten.

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Prinzessin Shesha, Tochter des chinesischen Kaisers, hat eine kleine (männliche?) Maus zum Freund: Kuku. Die erklärt sich bereit, das Problem der Jahresnamen mit Hilfe eines bekannten Weisen zu lösen. Wir werden später im Anhang erfahren, dass die alte chinesische Jahreszählung sich zunächst im 60er Rhythmus wiederholte, später – und bis heute – einen 12er-Rhythmus: Vom Jahr der Maus (!), über das Jahr des Büffels, des Tigers, des Hasen usw. bis zum Jahr des Schweins. Von da an beginnt die Zeitrechnung von Neuem. Die Zeit ist also nicht, wie im westlichen Denken, ein Strahl von der Vergangenheit über die Gegenwart zur Zukunft, sondern ein Kreis, der sich alle 12 Jahre schließt.

 

Wir verfolgen den Weg der Maus. In jedem Kapitel spielt ein weiteres Tier in der Folge des chinesischen Kalenders eine Rolle. Kuku hat mehrere Abenteuer zu bestehen, denn nicht alle Tiere sind hilfreich auf ihrer Seite. Der Tiger will sie fressen (und den Hasen ebenso), die Schlange behauptet, ihn zu beschützen, aber wer glaubt schon einer Schlange, vor allem, wenn sie mit einer Maus spricht.

Gegen Ende des Buchs erhalten die letzten Tiere immer weniger Platz in der Geschichte, sie wäre sonst auch zu lang geraten.

 

Der Anhang klärt auf über die Geschichte der Jahreszählung in China, aber auch über die Zweiteilung der Welt in gut und böse, alt-jung, warm-kalt, Yin-Yang.

 

Die Bilder sind in Mischtechnik gestaltet, das Aquarell ist für den Hintergrund prägend, und vor allem in Brauntönen gehalten. Sie haben keinen festen Rahmen und sind selten größer als eine halbe Seite. Jedes Kapitel wird durch ein graphisch gestaltetes Initial eingeleitet, das zumeist unseren kleinen Helden zum Inhalt hat.

Ein kleiner Fehler ist der Autorin unterlaufen, denn es gibt 13 Kapitel. Zwölf wären passender gewesen.

 

Das Buch ist ein schöner erster Ansatz der Autorin, chinesische Denkweise mit der westlichen in Verbindung zu bringen. Die Zeit ist dazu ein geeignetes Objekt. Schade, dass sie sich auf die chinesische Sicht beschränkt und nicht auf die Parallelität zum oder Nutzung von Quellen im westlichen Denken (Hexagesimalsystem, das sich noch in der Uhrzeit bei uns findet / 12 Monate im Jahr / 2x12 Stunden am Tag / Dualismus und Monismus in der Philosophie usw.), auch nicht im Anhang, hinweist.

 

Das Buch schwankt zwischen Erzählung, Sach- und Bilderbuch und kann sich nicht so recht entscheiden. Für ein reines Bilderbuch sind die Texte deutlich zu lang, für ein Sachbuch müssten mehr Seitenaspekte beleuchtet werden, für eine Erzählung merkt man der Geschichte zu sehr an, dass ein Sachthema transportiert werden soll. Das scheint ein grundsätzliches Dilemma für Sachbücher zu sein, die sich in einer illustrierten Erzählung verstecken.

Dennoch ist das Buch sehr zu empfehlen, schafft es doch eine Verbindung zum Verständnis von China aus der Sicht einer Autorin, die beide Seiten gut kennt.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en