Oliver Jeffers:
Pinguin gefunden

Aus dem Englischen von xxx

Berlin: Aufbau 2010

www.aufbau-verlag.de

ISBN 978-3-351-04118-2
32 Seiten * 14,95 € * ab 03 Jahre

 

 

 

 

Was macht man, wenn man offensichtlich als «Freund» ausgesucht wird? Das kann nerven oder auch der Eitelkeit dienen. Aber was «tut» man? Hier haben wir einen Pinguin, der plötzlich bei einem Jungen auftaucht und klingelt und sich diesem – wortlos natürlich – anvertraut. Der Junge gibt sich alle Mühe, ja, er fährt sogar in die Heimat der Pinguine, bis er versteht, was der Pinguin wirklich sucht: einen Freund.

Sich einen Freund aussuchen

Oliver Jeffers zeichnet minimalistisch. Ein vertikal zweigeteiltes Gesicht, dessen Trennungslinie unterhalb der Nase abknickt. Ein Teil des Gesichts ist rotgefärbt, das andere hell, in je einem Teil ein schwarzer Punkt für die Augen. Kein Mund. Der viel zu große Kopf sitzt direkt auf dem Körper, kein Hals. Der Körper steckt in einem langärmligen quergestreiften Pullover, rot-weiß, die Beine sind dünne gerade Striche mit weitem Abstand zueinander. Keine Füße. Das ist «der Junge», dessen Name nicht genannt wird.

Der Pinguin kann nicht nur nicht fliegen, sondern er spricht auch kein Wort. Wie sollte er auch. Aber er hat von Beginn an die Aufmerksamkeit des Jungen, der sich irgendwie für ihn verantwortlich zu fühlen scheint. Das Fundbüro aber weiß, dass niemand einen Pinguin vermisst, die Vögel haben (selbstverständlich) keine Ahnung, woher der Pinguin wohl gekommen ist, geschweige denn die Quietscheente des Jungen. Da offensichtlich niemand hier den Pinguin vermisst, wird es bestimmt jemand aus der Heimat des Pinguins tun. Die Hilfe des Jungen geht tatsächlich so weit, dass er sein Ruderboot bereit macht, um den Pinguin zu seiner Heimat zu bringen.

 

Bild und Text sind gleichberechtigt. Das zeigt auch die Aufteilung innerhalb des Buches. Die große Schrift lässt viel Platz zwischen den Buchstaben und zwischen den Zeilen. Dafür ist der Text sehr kurz und hält die Waage zu den Bildern. Die sind zum Teil aquarellisiert, zum Teil konturenhaft nach- oder vorgezeichnet sind. Mal wechseln sie sich ab mit dem Text, mal sind beide getrennt, mal haben wir doppelseitige Bilder mit integriertem Text, mal ist dieser deutlich getrennt.

Gegen Ende erfahren wir, dass es sinnlos ist, «Geschichten zu erzählen, denn es würde ja doch keiner zuhören außer dem Wind und den Wellen.» Wenn man nur etwas wartet und es zulässt, gibt es doch einen Sinn.

 

Ein schönes Bilderbuch, das zum Nachspielen im Kindergarten oder im Elternhaus geradezu einlädt, mit wechselnden Rollen selbstverständlich.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en