John Matthew Barrie & Robert Inhpen:
Peter Pan

Aus dem Englischen von Martin Rometsch

München: Knesebeck 2010

www.knesebeck-verlag.de

ISBN 978-3-86873-273-3
216 Seiten * 24,95 € * ab 05 Jahre

 

 

 

 

Die Geschichte ist über 100 Jahre alt, zunächst als Schauspiel konzipiert und dann erst (1911) als Roman erschienen. Unser Bild dieser Geschichte wurde lange Jahre von der Disney-Version (und Michael Jackson) geprägt, schön, dass es jetzt einen Gegenpol gibt: Die Illustrationen von Robert Ingpen schaffen ein ganz anderes Bild von Mandy, John und Michael und vor allem von Peter und Glöckchen.

Zeit anhalten

„Neverland“ heißt das Land der Träume, Nimmerland also, ein Ort der Zeit. Ihn erreicht man, wenn man die Zweite rechts nimmt und dann weiter geradeaus bin zum Morgen fliegt – falls man etwas Feenstaub erhaschen kann. Die eifersüchtige kleine Fee Glöckchen macht das nicht gern, und es ist nur Peter zu verdanken, dass die Kinder diesen Ort erreichen. Dort ist allerdings kein „Paradies“, denn der ehemalige Bootsmann des Piraten Blackbeard, Jas Hook, lebt dort, ein Krokodil mit verschlucktem Wecker und einige Indianer. Gefährliches Land also, wo man noch Abenteuer erleben kann, muss.

 

Die Schrift ist kinderfreundlich zweizeilig gesetzt und augenfreundlich für junge Leser in kurze Abschnitte unterteilt. Dagegen ist uns die Zeit, in der die Vorgeschichte handelt, fremd und wird den lesenden Kindern wahrscheinlich auch bleiben. Ein Ehemann, der die bevorstehende Geburt seiner Kinder in voraussichtlichen Kosten berechnet (das Geld war knapp bei den Darlings, der Familie mit dem sprechenden Namen), ein Hund, der die Rolle des Kindermädchens ausfüllt, eine Tochter, die mit zwei Jahren erfährt, dass sie nicht immer so klein bleiben wird: „Zwei ist der Anfang vom Ende.“ Wenn man sich eingelesen hat, überliest man bestimmt auch Formulierungen, die man heute nicht mehr so nutzen würde.

 

Dagegen werden wir die Bilder von Robert Ingpen nicht „überlesen“ können. Er zeichnet mit Bleistift und Rötel, gibt Peter Pan eine Mütze, die aus einem American Football geschnitten wurde und an Wikingerhelme erinnert, und ein Kleidungsstück aus Blättern und nur einem Träger über der rechten Schulter. Einige der oftmals zweiseitigen Bilder sehen aus wie dem Skizzenbuch entnommen (im Vorsatz Peter Pan, auf Seite 75f die Köpfe von Piraten) und erinnern in ihrer Braunfärbung an die Sepiafärbung alter Fotos.

Aber nicht nur abgesetzt und eigenständig illustriert Ingpen, viele kleinere oder auch fast ganzseitige Bilder gliedern den Text und lenken unsere visuelle Wahrnehmung weg von Disney zu neuen Bildern in unserem Kopf. Das ist gut so, denn das Buch, die Geschichte und unsere Sehnsucht nach diesem Land, in dem man nicht erwachsen wird, wird sich nicht so schnell ändern, hat sie doch schon 100 Jahre lang diese These unterstützt.

 

Das Vorwort des Großneffen wirft ein interessantes Licht auf die Motive der Geschichte und auf das Leben des Autors. Ein britisches Sondergesetz regelt auch heute noch, dass alle Tantiemen auch nach 50 Jahren dem Erben von „Peter Pan“ zufließen. Es ist ein Kinderkrankenhaus.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en