Brian Greene:
Ikarus am Abgrund der Zeit

Aus dem Englischen von xxx

Frankfurt: S. Fischer 2010

www.fischerverlage.de

ISBN 978-3-10-025306-4
34 Seiten * 26,00 € * ab 08 Jahre

 

 

 

 

Auch diesmal stürzt er ab, der Junge namens Ikarus, dessen Name wir aus der griechischen Sagenwelt kennen, aber es ist nicht der Absturz in den Raum, weil die Sonne das Wachs schmolz, mit dem die Federn befestigt waren. Nun stürzt er ab in die Zeit am Rand eines Schwarzen Loches. Was wie Utopie klingt, wird durch Fotos des Weltraumteleskops Hubble ein kleines Stück Wirklichkeit.

Die Jugend muss probieren

Dies Buch ist in keine Kategorie zu packen. Die Seiten sind aus Hartpappe, die ansonsten den Kleinsten unter den «Lesern» vorbehalten bleibt. Es ist weder «Bilderbuch» noch «Sachbuch» noch «Erzählung» - oder besser: Es ist alles zugleich.

Die 15 Fotos werden am Ende katalogisiert, unterwegs aber aus der Mitte heraus mit einem zunächst immer größer werdenden schwarzen Kreis überdeckt, der sich anschließend immer wieder verkleinert: ein Schwarzes Loch. Im Anhang werden einige der Merkwürdigkeiten von Schwarzen Löchern etwas genauer erklärt. Es frisst nicht nur Licht, sondern auch Zeit, die wir beide als «absolut und unveränderlich» empfinden.

Ganz unmerklich werden wir durch eine einfache Geschichte hineingezogen in die spannende Welt der Astronomie.

Ein Raumschiff ist unterwegs zu einem Planeten in einer fernen Welt, der ähnliche Bedingungen zu haben scheint wie unser. Die Entfernung ist jedoch so groß, dass sich an Bord (und in den Nachbarschiffen) Familien befinden, die ihr Leben – wohl wissend – auf der Reise verbringen. Als die «Proxima» (ein sprechender Name für ‚annähernd‘, ‚beinahe‘) in die Nähe eines Schwarzen Loches, das den Erfolg der Expedition gefährden kann, gerät, will der Urenkel des Leiters, Ikarus, seinem Leben einen Sinn geben, der jenseits ist von seiner Bestimmung: geboren im Raumschiff, Nachwuchs gezeugt, gestorben im Raumschiff. Er sucht die Gefahr des Schwarzen Loches mit seinem von ihm erfunden besonderen Antrieb.

Wie es ausgeht, wissen wir bereits so etwa: Er verliert sich in der Zeit. Was das konkret bedeutet, soll, muss man sich selbst erlesen (lassen).

So spektakulär die Fotos auch sein mögen, sie erschließen sich nicht direkt, da wir nicht gewohnt sind, sie zu interpretieren. Nicht umsonst nennt man unsere nicht besonders große Galaxie «Milchstraße», da wir die Lichtverhältnisse nicht richtig zu unterscheiden vermögen.

 

Wie klein wir doch sind. Aber glücklich. Auch über diese Geschichte und dieses Buch. Ob der Preis allerdings angemessen ist? Vielleicht ist die Lizenz des Abdrucks der Fotos so teuer, aber dann hätte man besser einen Illustrator beauftragen und zugleich auf eine Internetseite verweisen sollen.

 

 

 

Ulrich H. Baselau für den "Wittmunder BilderBuchBär"en